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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2017
Weckruf für die Welt
Wie weiter unter Donald Trump?
Der Inhalt:

»Die Freiheit könnt ihr uns nicht nehmen«

von Bettina Röder vom 13.01.2017
In Berlin widersetzt sich die Zivilgesellschaft nach dem Anschlag der Logik des Terrors. Sie weiß: Zusammenhalt ist ihre Kraft
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Wer in diesen Tagen den Berliner Breitscheidplatz am Ort des Terrors besucht, kommt an einem großen Schwarz-Weiß-Foto nicht vorbei. Es steht inmitten der Kerzen und Blumen und zeigt einen Blick auf die pulsierende Großstadt in der Nacht. Im Mittelpunkt die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche mit ihrem Turm. Der ist bis heute Ruine, ein Wahrzeichen gegen den Hass und für die Freiheit. In diesen Tagen wurde er das wieder neu. Dort, wo der Attentäter in den Weihnachtsmarkt raste. Die Zivilgesellschaft war es, die hier dieses Zeichen setzte, das für heute und morgen so wichtig ist.

Da wären zunächst die Schausteller. Sie öffneten ihren Markt schon zwei Tage nach dem Terrorangriff wieder. »Wir machen weiter, jetzt erst recht«, hatte die rothaarige Verkäuferin gesagt, die in einer der Buden Glühwein und Pfefferkuchen anbot. Und der junge Mann an ihrem Stand erklärte: »Ich bin extra von Freiburg hierher gekommen, als ich von dem Attentat hörte. Ich habe doch in Berlin studiert.« Dann wieder das Schweigen, von dem so viel Kraft in diesen Tagen ausging. »Niemals kann die Dunkelheit das Licht auslöschen«, steht bis heute da inmitten der Blumen und Kerzen. »Frieden für alle«, haben Menschen auf Blätter geschrieben. Und dann immer wieder wie ein stummer Schrei: »Warum?« – Wer will, wer kann das beantworten?

Auch der ökumenische Gottesdienst am Abend nach der Tat konnte das nicht. Zahlreiche Spitzenpolitikerinnen und -politiker nahmen teil. Tausende von Menschen, die drinnen nicht mehr Platz gefunden hatten, standen vor der Kirche. Beim Vaterunser hielten sie sich an den Händen. Ihre Botschaft bis heute: Zusammenhalt ist unsere Kraft.

Berlin ist nach dem Attentat nicht mehr die gleiche Stadt wie zuvor. Und sie hat in diesen Tagen ein Zeichen gesetzt. Es waren zuallermeist die Besonnenheit und Friedlichkeit von Menschen aus nah und fern, die nicht nur Kraft gaben, sondern auch eine klare Antwort auf den Terror und Hass waren. Die Zivilgesellschaft hat sich beidem glaubwürdig und machtvoll entgegengestellt. Auch die Polizei und viele Helfer waren beteiligt. »Unsere Freiheit könnt ihr uns nicht nehmen«, das war die unausgesprochene, aber klare Botschaft, die von hier ausging.

Martin Germer, Pfarrer an der Gedächtniskirche, war wie viele andere unermüdlich im Einsatz. Täglich gingen über 5000 Menschen in seiner Kirche ein und aus. Im über 700 Seiten umfass

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