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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2019
Die Zerreißprobe
Die Theologen Nikolaus Schneider und Dietmar Mieth hatten eine klare Haltung ...
Der Inhalt:

Die Bundesbank hat versagt

von Ulrike Herrmann vom 25.11.2019
Nach der Wende wurden viele DDR-Bürger arbeitslos. Doch schuld war nicht die Treuhand. Vergessen wird, wie desolat der Zustand der DDR-Wirtschaft war. Und dass die Bundesbank die Zinsen nach oben schraubte
Schräge Finanzpolitik: die Bundesbank in Frankfurt am Main (Foto: www.bundesbank.de)
Schräge Finanzpolitik: die Bundesbank in Frankfurt am Main (Foto: www.bundesbank.de)

Die Wiedervereinigung war ein großer Erfolg, doch in West und Ost überwiegt bis heute die Enttäuschung. Hartnäckig hält sich der Verdacht, dass die Treuhand versagt hätte (siehe Publik-Forum 20/19). Doch in Wahrheit war die Bundesbank schuld an der Tristesse. Die Zentralbank hat die Zinsen nach oben getrieben und den Einheitsboom abgewürgt.

Von vorn: Als am 9. November 1989 die Mauer fiel, war die DDR-Wirtschaft nur noch eine Ruine. Wie ein geheimes SED-Papier bilanzierte, betrug der »Verschleißgrad« in der Industrie 54 Prozent, im Bauwesen waren es 67 Prozent, im Verkehrswesen 52 Prozent und in der Landwirtschaft 61 Prozent. Überall bröckelte es, und in den Innenstädten waren die Altbauten vielerorts nicht mehr bewohnbar. Die DDR war ausgelaugt und bankrott.

Dennoch überwogen anfangs die Illusionen. In Ost und West glaubten Bürger und Politik, dass sich die ostdeutschen Staatsbetriebe lukrativ verkaufen ließen. Manche Schätzungen gingen gar davon aus, dass das DDR-Vermögen etwa 600 Milliarden D-Mark wert sei. Diese Luftbuchungen fielen schnell in sich zusammen. Es gab kein Vermögen, sondern nur Kosten, wie die Treuhand feststellte, die den staatlichen DDR-Besitz privatisieren sollte. Es gelang zwar, rund 10 000 ostdeutsche Betriebe zu retten. Aber es mussten auch 3700 Firmen geschlossen werden. Als die Treuhand Ende 1994 aufgelöst wurde, beliefen sich ihre Verluste auf 204 Milliarden D-Mark.

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