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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2019
Sind wir noch zu retten?
Was in der Klimakrise hoffen lässt
Der Inhalt:

Trauma Treuhand

von Ulrike Scheffer vom 02.11.2019
Warum die Privatisierung der DDR-Wirtschaft durch die Treuhand in den Jahren nach 1989 tiefe Wunden hinterlassen hat
Protest gegen die Schließung der Grube: Kali-Kumpel in Bischofferode im Jahr 1993 (pa/Hirschberger)
Protest gegen die Schließung der Grube: Kali-Kumpel in Bischofferode im Jahr 1993 (pa/Hirschberger)

Kurz bevor der Rummel um das Jubiläum der Friedlichen Revolution in diesem Jahr richtig in Gang kam, saßen in Berlin drei Männer und zwei Frauen, die in der Wendezeit im Osten Verantwortung trugen, gemeinsam auf der Couch von Katrin Rohnstock. Rohnstock betreibt einen Biografie-Verlag in Prenzlauer Berg und bringt in Erzählsalons Menschen zum Erfahrungsaustausch über historische oder auch persönliche Erlebnisse zusammen. An jenem Nachmittag soll es um die Rolle der Treuhand bei der Transformation der DDR-Wirtschaft gehen. Mit dabei sind Hans Modrow, vorletzter Regierungschef der DDR, und seine Stellvertreterin und Wirtschaftsministerin Christa Luft.

Altkader machen sich Luft

Auf den rund fünfzig Zuschauerplätzen in dem repräsentativen Altbauzimmer des Verlags viele Altkader, die sich schon vor Beginn der Veranstaltung in lebhaften Gesprächen die vermeintlichen Schandtaten der Treuhandanstalt zwischen 1990 und 1994 in Erinnerung rufen: Das Verscherbeln wertvoller Schlüsselindustrien an westliche Investoren quasi zum Nulltarif, die Schließung rentabler Betriebe, um westlichen Konzernen Konkurrenten vom Hals zu schaffen, und die angeblich massenhafte Korruption im Zuge der Privatisierung. Modrow, inzwischen 91 Jahre alt, spricht von der Zerstörung der DDR-Wirtschaft im Interesse der alten Bundesrepublik. Luft sagt: »Für mich steht die Treuhand für die größte Vernichtung von Produktivvermögen in Friedenszeiten.«

War die Treuhand eine willfährige Wegbereiterin des Kapitalismus?

Im Osten Deutschlands ist diese Sicht weit verbreitet. Die Treuhand gilt vielen dort als willfährige Wegbereiterin für die Raubzüge skrupelloser

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Georg Lechner
09.11.201918:21
Vor allem ist es ein Schaden für die öffentliche Hand, die Grundstücke und Gebäude wurden weit unter Wert verschleudert: Unterm Strich blieben der Treuhand 256,4 Milliarden Mark an Schulden, obwohl allein 50 000 Immobilien verkauft wurden (Rohwedder hatte einen Wert von 600 Milliarden Mark geschätzt).Es war auch viel Wirtschaftskriminalität im Spiel, es gab 586 Ermittlungsverfahren der staatlichen Strafverfolgungsbehörden, aber nur sehr wenige Verurteilungen. Theo Waigel hat bereits am 26.10.1990 der gesamten Treuhand-Führung die "Freistellung von der Haftung für grobe Fahrlässigkeit" garantiert. Das muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen, wie auch die weiteren diesbezüglichen Garantien Waigels.