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Der Traum vom Crowdfunding

Mithilfe von Crowdfunding können Menschen im Internet Geld für ein Projekt sammeln. Doch wie geht das, und was muss dabei beachtet werden?
von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 05.12.2014
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So viel Spendenwillige, so viel Geld: Aber wie sammelt man das am besten ein? Erfolgreich ist Crowdfunding im Internet. (Foto: Miriam Dörr/Fotolia)
So viel Spendenwillige, so viel Geld: Aber wie sammelt man das am besten ein? Erfolgreich ist Crowdfunding im Internet. (Foto: Miriam Dörr/Fotolia)

Wer würde schon eine Hochzeitsgesellschaft stoppen und nach ihren Ausweispapieren fragen? Aus einer wahnwitzigen Idee wurde Wirklichkeit: Ein palästinensischer Dichter und ein italienischer Journalist halfen syrischen Flüchtlingen, als Hochzeitsgesellschaft getarnt bis nach Schweden zu reisen, um dort Asyl zu beantragen. Das kühne Unternehmen haben sie gefilmt und in die Kinos gebracht. »Io sto con la sposa« (Auf der Seite der Braut) konnte nur zum Kinofilm werden, weil sich Tausende von Menschen dafür einsetzten und via Crowdfunding Geld spendeten. Über die Internetplattform Indiegogo folgten mehr als 2500 Menschen aus 37 Ländern dem Spendenaufruf. Der Film wurde sogar bei den Internationalen Filmfestspielen in Venedig gezeigt. »Auf der Seite der Braut« ist ein Dokumentarfilm, den es ohne die Beteiligung ganz normaler Bürger nie gegeben hätte.

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Crowdfunding boomt, doch wie funktioniert diese alternative Finanzierungsform eigentlich? Kompliziert ist es nicht: Einzelpersonen, Gruppen oder Unternehmen können auf Online-Plattformen eine Projekt- oder Produktidee vorstellen. Die Öffentlichkeit (crowd bedeutet auf englisch Menschenmenge) wird über das Internet unmittelbar und persönlich um Unterstützung gebeten. Jeder Mensch mit einem Internetanschluss kann dann finanziell etwas beisteuern; Mindestbeiträge liegen oft nicht höher als fünf Euro. Menschen mit einer guten, innovativen Idee erhalten die Möglichkeit, ihren Traum Wirklichkeit werden zu lassen, und die Spender erhalten Gegenleistungen als Dankeschön. Im Falle des Films »Auf der Seite der Braut« war das beispielsweise eine DVD oder eine Einladung zur Kinopremiere, je nach Höhe der gespendeten Summe.

Entstanden ist das Crowdfunding-Konzept vor etwa zehn Jahren in den USA, zunächst in der kreativ-künstlerischen Szene. Inzwischen existieren weltweit über 550 Crowdfunding-Plattformen, viele mit so klingenden Namen wie betterplace, visionbakery oder wemakeit. Das ursprüngliche Crowdfunding beruht auf einem Konzept der nicht-monetären Gegenleistungen, nun gibt es auch diverse andere Formen wie Crowdinvesting, bei denen Kapitalgeber am Gewinn eines neu entwickelten Produkts beteiligt werden. Die Berliner Finanzexpertin und Unternehmensberaterin Ilona Orthwein sagt dazu: »Eigentlich war Crowdfunding ein soziales, gesellschaftliches Anliegen. Ich sehe eine große Gefahr, dass es mehr und mehr kommerzialisiert wird und die idealistische Motivation dahinter verloren geht.«

Crowdfunding gegen Plastikmüll

Doch noch immer gibt es genug Projekte, die auf den Visionen von Idealisten und Weltverbesserern beruhen. In Berlin beispielsweise eröffneten zwei junge Frauen im Herbst einen Lebensmittelladen, der gänzlich auf Verpackungsmaterial verzichtet. Im »Original Unverpackt« in Kreuzberg bringen die Kunden ihre eigenen Gefäße mit, in die sie Müsli, Linsen und vieles mehr abfüllen. So soll Plastikmüll vermieden werden. Die crowd hat es möglich gemacht. Es gibt jedoch auch Projekte, bei denen das Geld nicht recht fließen will. Ist das nun Zufall, Pech – oder führen bestimmte Faktoren zum Erfolg?

Auf das Konzept kommt es an

Ilona Orthwein erläutert in ihrem jüngst erschienenen Ratgeber zu Crowdfunding, dass der Erfolg eines Projekts von den »vier Ks« abhänge: Konzept, Kalkulation, Kommunikation und Kontakte. »Das Wichtigste ist das Konzept. Das muss stimmen. Es darf nicht nur eine vage Idee sein, sondern muss genau definiert werden. Wer ist meine Zielgruppe? Wie kann ich das Projekt realisieren? Wie sieht mein Geschäftsplan aus? All diese Fragen sollten vorab geklärt werden«, betont Orthwein. Die Vernetzung des Projekts bei Facebook oder Twitter sei extrem wichtig. Orthwein empfiehlt jedem, der ein Projekt starten möchte, ein Beratungsgespräch, insbesondere aufgrund steuerrechtlicher Tücken. »Viele unterschätzen den Aufwand, der hinter Crowdfunding steckt«, sagt sie.

Das bestätigt auch Kerstin Wagner, die am Schweizerischen Institut für Entrepreneurship in Chur zu Crowdfunding forscht. Sie hat über 700 Kampagnen aus verschiedenen Bereichen untersucht. »Wir haben festgestellt, dass eine Kampagne, die im Team gestartet wird, weitaus bessere Chancen hat als eine, die von einer Einzelperson initiiert wird«, erklärt sie einen Erfolgsfaktor. »In Bezug auf die Finanzierungsziele gilt: Je niedriger die Zielsumme, desto höher die Erfolgschancen.« Wichtig sei es auch, eine geeignete Anzahl an Gegenleistungen anzubieten. Dann gibt sie noch den Tipp: »In den ersten Tagen der Kampagne spielt die Musik! Wenn zu Beginn einer Kampagne viele Beiträge gegeben werden, signalisiert das weiteren potenziellen Geldgebern: Das ist ein gutes Projekt, da lohnt sich die Beteiligung.« Sogar der Wochentag, an dem die Kampagne gestartet wird, sei von Bedeutung. Ein Montag oder Dienstag wirke sich positiv auf den weiteren Projektverlauf aus.

Crowdfunding basiert zu einem großen Teil auf Vertrauen. »Die Plattformen stellen zwar die Infrastruktur zur Verfügung, sie regeln Bezahlung und Transaktionen, aber der Projektinitiator ist auf das Vertrauen der crowd angewiesen«, erläutert der österreichische Crowdfunding-Experte Wolfgang Gumpelmaier. Deshalb sei es so wichtig, über den gesamten Projektzeitraum den Kontakt zu Unterstützern zu halten und sie über Zwischenerfolge zu informieren. Die meisten Plattformen basieren auf dem Alles-oder-nichts-Prinzip. »Das bedeutet: Erst wenn einhundert Prozent der angefragten Summe zusammengekommen sind, werden die Beträge bei den einzelnen Geldgebern abgebucht. Wird das Finanzierungsziel nicht erreicht, findet keine Transaktion statt beziehungsweise die Spender erhalten ihr Geld zurück«, erklärt Gumpelmaier. Im Falle des Kinofilms über die Flüchtlings-Hochzeitsgesellschaft auf dem Weg nach Schweden war das nicht nötig. 75 000 Euro war das Ziel der Projektinitiatoren – 98 000 Euro bekamen sie binnen zwei Monaten zusammen. Ein überwältigender Erfolg.

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Personalaudioinformationstext:   Einen guten Überblick über die unterschiedlichen Plattformen bietet die Internetseite www.crowdfunding.de. Auch regionale Plattformen für mehrere deutsche Städte werden hier dargestellt.
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