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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2013
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Der tödliche Mut der Fischer

von Dominik Müller vom 19.12.2013
Indiens Regierung setzt auf Atomkraft. Neunzehn Reaktoren produzieren derzeit Strom, sieben weitere sind geplant oder befinden sich im Bau. In der Bevölkerung wächst die Angst, dass es zu einer Katastrophe wie in Fukushima kommen könnte. Doch Proteste werden von der Regierung mit allen Mitteln bekämpft
Protest von Fischern gegen die Inbetriebnahme des indischen Atomkraftwerks Kudankulam, das in einem tsunami- und erdbebengefährdeten Gebiet liegt (Foto: pa/Nathan G)
Protest von Fischern gegen die Inbetriebnahme des indischen Atomkraftwerks Kudankulam, das in einem tsunami- und erdbebengefährdeten Gebiet liegt (Foto: pa/Nathan G)

Strom ist knapp in Indien. In der heißesten Jahreszeit, Ende Juli, kam es zu den bisher größten Stromausfällen: An zwei aufeinanderfolgenden Tagen brach das gesamte Netz Nordindiens zusammen. Klimaanlagen und Ventilatoren kühlten nicht mehr, Hunderte Züge blieben liegen, die U-Bahn in Neu-Delhi steckte im Tunnel und in den Operationssälen mussten Ärzte mithilfe von Notstromaggregaten operieren. Fünfhundert Millionen Menschen in Nord- und Ostindien waren ohne Strom.

Um den schnell wachsenden Strombedarf des Schwellenlandes zu decken, will Indiens Regierung vor allem die Atomkraft ausbauen. Neunzehn Reaktoren produzieren derzeit Atomstrom, sieben weitere sind geplant oder befinden sich im Bau. Doch der Widerstand in der Bevölkerung wächst von Tag zu Tag – viele Inder fürchten Katastrophen wie in Fukushima. Für Indiens Premierminister Manmohan Singh sind die indischen Atomkraftwerke dagegen sicher. »Bei uns sind 19 Reaktoren in Betrieb, und dort gab es noch nie einen Zwischenfall«, erzählte Singh den Abgeordneten des Unterhauses nach dem Unfall in Fukushima. »Zudem sind unsere Sicherheitsmaßnahmen ein offenes Buch, Sie können sie im Internet nachlesen.«

Ein Kritiker wird degradiert

Aussagen wie diese lösen bei dem Kernphysiker Gopalakrishnan Entsetzen aus. Nach seiner Promotion in Berkeley/Kalifornien schaffte er es bis zum Direktor der indischen Atomregulierungsbehörde. Doch als er vor mir sitzt, erzählt er von schwerwiegenden Unfällen, die sich in indischen Atomkraftwerken ereignet haben, unter anderem in Narora, das nur 130 Kilometer entfernt von der Hauptstadt Neu-Delhi liegt. Beinahe wäre es zur Kernschmelze gekommen. Und dies sei beileibe nicht der einzige Unfall gew

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