Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2013
Götzen, Geld und die Gerechtigkeit
Was Christen heute herausfordert
Der Inhalt:
Artikel vorlesen lassen

»Der Obama von Halle«

von Maria Haberer vom 13.06.2013
Der gebürtige Senegalese Karamba Diaby kandidiert für den Bundestag. Ein Ostdeutscher, der die Rolle des Fremden ablehnt
Nicht nur in seiner Partei beliebt: Karamba Diaby. Vermutlich sitzt er ab September für die SPD im Bundestag. (Foto: pa/Tirl)
Nicht nur in seiner Partei beliebt: Karamba Diaby. Vermutlich sitzt er ab September für die SPD im Bundestag. (Foto: pa/Tirl)

Karamba Diaby ist erleichtert. Er lässt sich auf den Sitz fallen. Seine dunkle Jacke wirft er mit großem Schwung auf den Platz neben sich, seine Aktentasche auf den anderen. Pünktlich um 14.38 Uhr fährt der ICE von Berlin nach Halle ab. »Ach«, hat der Bundespräsident heute zu ihm gesagt, »Sie sind doch der aus dem Paulusviertel.« Diaby lacht, ein leises Lachen, sein linker Mundwinkel hebt sich leicht. Joachim Gauck, der ihm bei einer Matinée die Hand geschüttelt hat, hatte offensichtlich die Zeitungen studiert. Denn überall wird Diaby so vorgestellt: als der Mann aus dem Paulusviertel im Zentrum von Halle. Doch das ist es eigentlich nicht, was ihn derzeit so bekannt macht: Der 51-Jährige ist gebürtiger Schwarzafrikaner mit Lebensmittelpunkt Ostdeutschland. »Man wird schnell auf Integrationspolitik reduziert«, sagt er. Doch Karamba Diaby kümmert sich lieber um Themen wie Arbeit und Soziales, zum Beispiel im Hallenser Stadtrat. Und er erwartet, dass seine Hautfarbe bei all dem keine Rolle spielt. Genau das macht ihn interessant: Er lehnt die Rolle des Fremden ab. Punktum. Wenn alles gut geht, wird er bald für die SPD in den Bundestag einziehen.

Jetzt ist Diaby auf dem Weg von Berlin nach Halle, in seine Heimatstadt: Er will auf einem Straßenfest der SPD Wahlkampf machen. »Halle ist für mich eine Stadt der Gegensätze«, sagt er und schlägt seine Beine übereinander. Einerseits steht sie für Kultur und Musik, ist Geburtsort des Komponisten Georg Friedrich Händel und eine der ältesten Universitätsstädte Deutschlands. Anderseits ist Halle die Stadt mit einer der höchsten Kinderarmutsraten in Deutschland. Nur vier Prozent der Bewohner sind Ausländer. Die Arbeit ist rar, viele Betriebe haben nach 1989 zugemacht. Fast 13 Prozent der

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Kommentare
Der Kommentierungszeitraum für diesen Artikel ist abgelaufen, daher können Sie ihn leider nicht mehr kommentieren.