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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2013
Götzen, Geld und die Gerechtigkeit
Was Christen heute herausfordert
Der Inhalt:

»Gott ist mit den Mutigen«

von Thomas Seiterich vom 14.06.2013
Die Maniacis kämpfen mit ihrer privaten Fernsehstation »Telejato« unbeirrt gegen die Mafia.
Ein Besuch bei einer äußerst unerschrockenen Familie in Sizilien

Die rund 30 000 Einwohner zählende Provinzstadt Partinico im abgelegenen agrarischen Westen Siziliens gilt als ein traditionelles Mafia-Nest. So wie die Nachbarstädte Alcamo und Corleone, wo nach 1945 rund 300 Bürger bei Mafia-Kriegen erschossen wurden und der »Boss der Bosse«, Bernardo Provenzano, sich 43 Jahre lang wie eine Kellerassel im Souterrain eines Schuppens versteckte.

Wer nach Partinico abbiegt und die der Küste folgende Autobahn Palermo–Trapani verlässt, fährt durch verlassenes Gartenland. Darin stehen viele Industrieruinen. Es ist eine verlorene Landschaft vor kahlen Bergen. Gleich beim Ortsschild Partinico liegt die erste von vielen Müllhalden. Es stinkt nach fauligem Fisch. Hunderte Plastiksäcke, aufgedunsen in der Sonne, voll mit Hausmüll. »Tja, der Staat privatisierte die Müllabfuhr. Nun entlohnen die Unternehmer die Müllarbeiter nicht. Sie streiken. Und wir, wir haben den Gestank«, sagt Pino Maniaci, als wir uns am Rathaus treffen. Pino, 58 Jahre alt, zappelig und dünn, ist der Chef des aus seiner fünfköpfigen Familie bestehenden Teams des Anti-Mafia-Senders Telejato. Bevor der Mann in Anzug und Krawatte zu ernsten Themen übergeht, möchte er erst noch eine Sentenz über Papst Ratzinger loswerden: »Was sind wir froh, dass dieser deutsche Schäferhund nicht mehr Papst ist! Hier lieben alle Papa Francesco!«, sagt der Chefredakteur auf dem Parkplatz in der Morgensonne und lacht sein dunkles Raucherlachen.

Er steht unter Strom. Vier Päckchen »Diana« wird er rauchen, bis um 16.30 Uhr die letzte Minute der Telenotizie, seines Nachrichtenmagazins, gesendet ist. Auf die Frage, ob er den Tod durch die Cosa Nostra fürchte, antwortet er mit einem Grinsen: »Mich bringen eher die Zigaretten um als die Mafia.« Doch der unerschrockene Lokaljournalist wird bedroht. Seit einem fehlgeschlagenen Mordversuch 2008 bewachen ihn stämmige Personenschützer von den Carabinieri tagaus, tagein.

Mordanschlag der Cosa Nostra

Eine steile Spannungskurve hat der nun folgende Tag bei der Familie Maniaci. Bis gegen zwölf Uhr wird recherchiert. Dann werden die Fernsehbeiträge produziert, und ab 14.30 Uhr ist TV Telejato live auf Sendung wie an jedem Werktag, zwei volle Stunden lang. »Wir machen die längsten Lokalnachrichten. Das ist Weltrekord«, sagt Pino Maniaci sto

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