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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2012
Wenn es den Himmel gäbe
Gott in der Literatur der Gegenwart
Der Inhalt:

Das Krankenhaus macht seine Leute krank

von Barbara Tambour vom 05.10.2012
Fallpauschalen verändern den Klinik-Alltag: Krankheiten werden zur Ware, Ärzte zu Anbietern und Patienten zu Fällen
DRG-System: Der Erlös des Krankenhauses steht im Vordergrund, nicht der Patient  (Foto: Gina Sanders - Fotolia)
DRG-System: Der Erlös des Krankenhauses steht im Vordergrund, nicht der Patient (Foto: Gina Sanders - Fotolia)

Kein Schlaganfall. Hedwig Schwartz ist erleichtert. Die 77-Jährige liegt in einem Bett einer speziellen Schlaganfall-Abteilung eines hessischen Kreiskrankenhauses. Die Ärztin erklärt der Patientin, dass die Untersuchung nur Spuren eines früheren, aber keines neuen Schlaganfalls sichtbar gemacht hat. Jetzt würde Frau Schwartz, die eigentlich anders heißt, gerne nach Hause gehen. Doch die Ärztin rät zu weiteren Untersuchungen, »um ganz sicher zu sein«, und zu zwei bis drei weiteren Tagen Rund-um-die-Uhr-Überwachung von Blutdruck, Herzschlag und Sauerstoffsättigung des Blutes. Die Seniorin ist verunsichert. Patienten werden heute doch rasch entlassen, um Kosten zu sparen. Sie aber soll länger bleiben? Da sie keine ist, die die Autorität einer Ärztin infrage stellt, willigt sie ein.

Dass das Krankenhaus mehr an Patienten verdient, je länger diese auf Station sind, damit ist seit 2004 Schluss. Seitdem rechnen alle Kliniken in Deutschland nicht mehr nach Belegtagen, sondern nach Fallpauschalen ab. Je nach Diagnose – Blinddarmentzündung, Herzinfarkt oder Lungenentzündung – erhält das Krankenhaus eine bestimmte Summe – unabhängig davon, wie lange der Patient in der Klinik ist. Dadurch ist die durchschnittliche Verweildauer gesunken. Lag sie 1990 noch bei 13,4 Tagen, waren es 2010 noch 8,5 Tage.

Ein neuer Geist ist in die Krankenhäuser eingezogen

Mit der pauschalierten Vergütung sollen die begrenzten Mittel effizienter verteilt werden. Acht Jahre nach Einführung der Fallpauschalen – auch DRGs genannt (engl. Diagnosis-Related Groups) – wird allerdings deutlich: Mit dem neuen Abrechnungssystem ist auch ein neuer Geist in die kommunalen, kirchlichen und privaten Krankenhäuser einge

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