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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2012
Wenn es den Himmel gäbe
Gott in der Literatur der Gegenwart
Der Inhalt:

Von der Hand in den Mund

Er hat hart gearbeitet – als Tischler, auf See, auf dem Bau. Jetzt ist Jens-Uwe K. (66) in Rente und muss jeden Cent umdrehen

Die Diskussion um Altersarmut macht mich stinksauer. Das ist doch alles scheinheilig! Ich habe mein ganzes Leben lang gearbeitet, 48 Jahre lang. Schichtarbeit, Montage, Wochenenden, Überstunden – aber was bleibt davon übrig? Nichts! Ich krieg 748 Euro ausgezahlt. Die Miete kostet 481 warm, das ist mehr als die Hälfte!

Ich wohne hier in Hamburg mit meiner Frau seit 1999 in einer Zweizimmerwohnung im dritten Stock. Das war mal sozialer Wohnungsbau, aber jetzt wirtschaften die wie Privatunternehmen, und wir kriegen dauernd Mieterhöhungen.

Meine Frau ist Hartz IV. Und das ist wirklich eine einzige Sauerei, eigentlich müsste sie längst Rente bekommen. Sie hatte einen schweren Arbeitsunfall, war danach als Verkäuferin nicht mehr vermittelbar, und nun hängt sie drin beim Arbeitsamt. Von den 347 Euro bekommt sie nur 120 ausgezahlt, weil sie angeblich Steuern unterschlagen hat. Das ist absoluter Quatsch, der Richter hat sie längst freigesprochen, aber das Arbeitsamt gibt immer noch keine Akteneinsicht. Meine Frau leidet sehr darunter. Es ist ihr peinlich, so mies behandelt zu werden. Ihr erster Mann hat ihr einen Batzen Schulden hinterlassen, das ist jetzt ihr Handicap. Mein Handicap ist, dass ich mich 2007 vom Arbeitsamt habe breitschlagen lassen, frühzeitig in Pension zu gehen. Mit 62 war ich nicht mehr vermittelbar, hieß es. Na ja, es klang ganz gut, was sie mir da vorrechneten, aber als sich die LVA, die Knappschaft und die Seekasse schließlich geeinigt hatten, erfuhr ich, dass mich das 300 Euro im Monat gekostet hat – da war es schon zu spät!

Ich bin mit fünfzehn in die Lehre gegangen. Wir sind ja Nachkriegskinder, da war das so: Acht Jahre Volksschule und los. Damals hieß es: Hau