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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2018
Angst
In der Gesellschaft rumort es: Ein Gefühl wird politisch
Der Inhalt:

»Christen sind in Chemnitz präsent«

von Barbara Tambour vom 05.09.2018
Bei den Gegendemonstrationen in Chemnitz sind Christen dabei, die Kirche lädt ein zum ökumenischen Friedensgebet. »Wir müssen uns den Herausforderungen stellen«, sagt die Chemnitzer Pfarrerin Dorothee Lücke. Fragen an sie
Teilnehmer einer Gegendemonstration gegen die Ausschreitungen Rechter in Chemnitz. »Wir müssen uns den Herausforderungen stellen«, sagt die Chemnitzer Pfarrerin Dorothee Lücke (Fotos:pa/Reuters/Hanschke; privat)
Teilnehmer einer Gegendemonstration gegen die Ausschreitungen Rechter in Chemnitz. »Wir müssen uns den Herausforderungen stellen«, sagt die Chemnitzer Pfarrerin Dorothee Lücke (Fotos:pa/Reuters/Hanschke; privat)

Publik-Forum: Chemnitz war in den vergangenen Wochen in allen Schlagzeilen – von der Kirche hat man kaum etwas gehört.

Dorothee Lücke: Schon bei der ersten Gegendemonstration am Montag nach dem Stadtfest waren nicht wenige Christen dabei, auch mein Mann und zwei meiner Kinder. Unmittelbar davor haben wir in der St.-Jakobi-Kirche ein ökumenisches Friedensgebet gehalten. Dem Aufruf der evangelischen Kirche zur Kundgebung am Sonntag folgten mehr als tausend Menschen. Wir waren nicht immer in der ersten Reihe, aber immer präsent. Wir müssen uns doch den Herausforderungen stellen.

Welche sind das?

Lücke: Chemnitz hat nun den Ruf, eine Stadt voller Nazis zu sein. Das wird der Vielfalt in der Stadt nicht gerecht. Es gibt zwar viele Bürger, die die Meinungen der AfD teilen oder noch extremere haben. Aber es gibt auch viele andere Stimmen. Und nicht jeder, der bei einem der sogenannten Trauermärsche mitgelaufen ist, ist ein Nazi. Da waren zum Beispiel einige aus dem Abiturjahrgang meines Sohnes dabei. Die darf man nicht einfach abstempeln.

Es heißt, in Sachsen seien in jedem Verein Menschen mit ausländerfeindlichen Ansichten zu finden. Auch in jeder Kirchengemeinde?

Lücke: Menschen mit rechtsradikalen Ansichten gibt es in unserer Kirchgemeinde nicht. Aber es gibt viele, die sich über die Politik der Bundesregierung aufregen. Dieselben bringen dann aber Geflüchteten das Zählen auf Deutsch bei oder übernehmen Fahrdienste für sie. Man darf diese Menschen nicht in die rechtsradikale Ecke stellen. Ich versuche Brückenbauerin zu sein, immer wieder das Gespräch

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