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Wir Sternengucker

von Doris Weber vom 18.02.2014
Wir bemühen uns, aufrecht durchs Leben zu gehen und sind doch stets in der Gefahr, zu stürzen. Dann bleibt uns nichts anderes übrig, als wieder aufzustehen – und uns den Sternen erneut zu nähern. »Es beruhigt mich, den Himmel über mir zu wissen. Er ist wie ein schützendes Dach, ein Himmelszelt, in dem jeder Mensch auf dieser Welt seinen Platz finden darf«, schreibt Doris Weber im neuen Publik-Forum Extra, in dem es unter anderem um aufrechten Gang, Astronomie und den »schönsten Himmel der Welt« geht
Sterne als Lichtermeer: Der wunderbare Nachthimmel, den man im neuseeländischen Tekapo sehen kann, hat den kleinen Ort weltweit bekannt gemacht (Foto: Maki Yanagimachi / Earth&Sky Ltd)
Sterne als Lichtermeer: Der wunderbare Nachthimmel, den man im neuseeländischen Tekapo sehen kann, hat den kleinen Ort weltweit bekannt gemacht (Foto: Maki Yanagimachi / Earth&Sky Ltd)

Der kleine Junge war ein flinkes Krabbelkind. Geschickt rannte er wie ein Vierfüßler zwischen den Beinen der Erwachsenen umher. Viel schneller als alle anderen. Und dann passierte es, von einer Sekunde auf die andere: Er zog sich an einem Stuhl empor und stand aufrecht. Eine Sternstunde im Leben dieses kleinen Menschen. Vorsichtig und tastend betrat er eine neue Welt, in der er von nun an auf eigenen Füßen stehen sollte. Sein glückliches Kindergesicht werde ich nie vergessen. Das Leuchten in seinen Augen, den Glanz, den sein Körper ausstrahlte. Diese Würde, als er sich aufrichtete. Jetzt konnte er sein Haupt stolz zu den Sternen erheben, ein aufrechter Himmelsbetrachter sein.

Die Griechen und die Römer waren einst der Überzeugung, dass die Sterne Götter seien. Demnach sind wir aufrecht geschaffen, um die Sterne betrachten zu können. Aber auch christliche Theologen haben schon sehr früh gesagt: Der Mensch sollte aufstehen, um sein Haupt vor Gott erheben zu können. Gott will den aufrechten Menschen, weil in seiner Körperhaltung zum Ausdruck kommt, dass er auch innerlich aufrecht ist, aufrichtig, ehrlich und anständig.

Der aufrechte Gang ist eine lebenslange Übung

Aber wir Sterngucker sind eben auch nur Menschen. Wir bemühen uns, aufrecht durchs Leben zu gehen, und bleiben doch stets in der Gefahr, dass wir straucheln, stürzen und uns und andere verletzen. Dann bleibt uns nichts anderes übrig, als einen Neubeginn zu wagen. So tapfer und unermüdlich wie das kleine lernende Kind, das immer wieder aufsteht, weil es nicht mehr auf Händen und Füßen kriechen will. Der aufrechte Gang ist eine lebenslange Übung.

Ich bin eine begeisterte Sternguckerin. Obwo

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