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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2017
Was heißt Auferstehung?
Ein Gespräch mit dem Schriftsteller Patrick Roth und der Theologin Margareta Gruber
Der Inhalt:
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Über das Ziel hinaus

Mit dem Fahrrad von Frankfurt nach Teheran: Christoph Borgans und Katharina Müller-Güldemeister haben diesen Traum tatsächlich wahrgemacht. Achttausend Kilometer und zehn Monate mit dem Rad – wie hat diese Reise sie verändert?
Viel erlebt, sich selbst verändert: Unsere Radler fahren mit Hundebegleitung auf einem Schotterweg durch kroatisches Sumpfgebiet (Foto: Borgans)
Viel erlebt, sich selbst verändert: Unsere Radler fahren mit Hundebegleitung auf einem Schotterweg durch kroatisches Sumpfgebiet (Foto: Borgans)

Unsere Radreise ist zu Ende. An Weihnachten sind wir in Teheran angekommen. Und im Februar haben wir den Iran wieder verlassen. Wir waren zehn Monate unterwegs – etwa fünf Monate länger, als wir es uns bei der Abreise in Frankfurt ausgerechnet hatten. Denn durch Katharinas Krankheit in den ersten Wochen war unser Zeitplan rasch überholt. Wir konnten es nicht mehr schaffen, vor dem Sommer durch die Türkei zu kommen.

Und das war ein Glück! Nun gab es keinen Zeitdruck mehr. Kein »Man sollte, man müsste ...« Wir fuhren und blieben, wo wir wollten. So verbummelten wir den Sommer auf dem Balkan, fanden Freunde im kroatischen Osijek, verliebten uns in das Sarajevo hinter den zerschossenen Fassaden und merkten in Albanien – als schon der Winter drohte –, dass wir noch so viel mehr Zeit gebrauchen könnten.

Aus ambitionierten Reiseradlern waren Fahrradflaneure geworden. Ein neues Leben, das uns gut gefiel. Und wir begannen uns zu fragen, ob wir überhaupt in unser altes Leben in Deutschland zurückwollten. Schon deshalb hat sich diese Reise gelohnt: Nicht weil wir so viele Antworten gefunden hätten. Aber weil wir viele Fragen gefunden haben:

Wie viel wollen wir arbeiten?

»What do you do for a living?«, fragten wir Sead, einen Mountainbiker aus Sarajevo, der uns mitnahm zu einer Tour durch die Berge seiner Stadt. Was machst du, um deinen Lebensunterhalt zu verdienen? Er antwortete: »You don’t have to do anything for living.« Du musst nichts tun, um zu leben. In den Jahren der Belagerung, sagt Sead, habe er verstanden, mit wie wenig er auskommen kann. Wieso sollte er jetzt so viel mehr brauchen? Wieso soll er mehr arbeiten, wenn er dabei das Leben verpasst? A

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