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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2020
Der Sinnlosigkeit widerstehen
Ostern in der Corona-Krise
Der Inhalt:

Trost und Entsetzen

vom 10.04.2020
Im 16. Jahrhundert malte Matthias Grünewald Bilder für einen Altar im Dörfchen Isenheim: Tod, Verzweiflung und das Wunder der Auferstehung. In unserer Foto-Galerie zeigen wir Szenen des Isenheimer Altars, der heute in Colmar steht und das Heilsereignis erzählt.
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Der Isenheimer Altar, erste Schauseite, im Museum Unterlinden in Colmar (Foto: © Musée Unterlinden, Colmar / Ruedi Walti)
Der Isenheimer Altar, erste Schauseite, im Museum Unterlinden in Colmar (Foto: © Musée Unterlinden, Colmar / Ruedi Walti)
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Eine rätselhafte Seuche ging um im Mittelalter. Sie löste Halluzinationen aus, führte zu schmerzhaften Krämpfen und ließ die Gliedmaßen absterben und verfaulen. In ganz Europa raffte sie tausende Menschen dahin oder machte sie zu Krüppeln. Da
die Kranken das Gefühl hatten, innerlich zu verbrennen, nannte man die Krankheit »Antoniusfeuer«. Eine Therapie gab es nicht. Anfang des 16. Jahrhunderts beauftragten Antonitermönche im Dörfchen Isenheim den Maler Mathis Gothard Nithard, besser bekannt als Matthias Grünewald, Bilder für den Altar ihrer Kapelle zu malen – sie sind heute im Unterlindenmuseum in Colmar zu sehen. Nach mittelalterlicher Auffassung wirkte es heilend, wenn man Meditationsbilder betrachtete und sich mit den dargestellten Figuren identifizierte. Deshalb führten die Mönche die Erkrankten vor den Flügelaltar: Sie sollten erkennen, dass Jesus ebenso gelitten hatte wie sie. Erst im 17. Jahrhundert erkannte man, dass ein Getreidepilz, das giftige Mutterkorn, Auslöser der Krankheit war.

Grünewald wird gerne als erster Expressionist der Kunstgeschichte bezeichnet. Tatsächlich dauerte es Jahrhunderte, bis
Maler es gewagt haben, Krankheit und Tod wieder so schockierend darzustellen. Die Mutter Jesu (links oben) erscheint vollkommen erstarrt in ihrer Verzweiflung, der Arm des Johannes ist
übernatürlich lang und kann sie doch
nicht trösten. Der Leib des Gestorbenen
ist von Geschwüren entstellt. Und
die Auferstehung? Ein Rausch in psychedelischen Farben. Auferstehung, Himmelfahrt und Verklärung fallen hier in eins: ein Wunder, das die Wirklichkeit sprengt, das entsetzt und verstört.

Bildquellen:

PFplus

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