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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2016
Mit Feinden reden
Ex-Diplomat Michael Steiner über die Magie des Verhandelns
Der Inhalt:
von Fabian Vogt vom 11.12.2016
»Wer war denn dran?«, frage ich meine Frau, weil sie beim Auflegen des Telefonhörers irgendwie so schelmisch grinst. »Meine Mutter!«, entgegnet sie fröhlich. »Pass auf: Der Familienrat hat getagt und einstimmig entschieden, dass wir uns dieses Jahr zu Weihnachten nichts schenken. Und zwar keiner...
Ein Weihnachtsgeschenk! Was woll drin ist im Karton? Vielleicht was Selbstgemachtes. (Foto: Fotolia/eyetronic)
Ein Weihnachtsgeschenk! Was woll drin ist im Karton? Vielleicht was Selbstgemachtes. (Foto: Fotolia/eyetronic)

... Wir setzen 2016 ein klares Zeichen gegen den Konsumterror. Schluss mit dem Geschenke-Tsunami. Bescheidenheit ist angesagt.«

»Na toll«, sage ich, um dann nach einer kurzen Pause hinterherzuschieben: »Ich mach da aber nicht mit.«

Was? »Ja«, echauffiere ich mich, »ich liebe Geschenke. Ich liebe es, sie zu bekommen – und ich liebe es, sie zu machen. Ihr könnt mir doch nicht einfach basisdiktatorisch das Fest versauen. Schon Jesus in der Krippe bekam einen Sack voller Geschenke. Sogar von Weisen serviert. Und Weise werden ja wohl wissen, wie man Weihnachten richtig feiert. Diese uralte christliche Tradition ist mir jedenfalls heilig.«

Meine Frau rollt mit den Augen. »Und wie stellst du dir das vor?«

»Ganz einfach: Ich besorge für alle Mitglieder der Großfamilie wundervolle Geschenke – und wer dann nichts für mich hat, sitzt halt mit tierisch schlechtem Gewissen da. Das nennt man postfaktischen Widerstand. Ich werde alle so lange mit weihnachtlichen Gaben überschütten, bis sie zur Einsicht kommen.«

Genervt greift meine Frau erneut zum Hörer, um gefühlte fünf Stunden später zu verkünden: »Es hat mich zwar Zweidrittel meiner Nerven gekostet, aber das Geschenk-Embargo wurde aufgehoben.« Ich atme tief aus. »Allerdings gibt es eine kleine Bedingung.« Ach ja? »Dieses Jahr darf nur Selbstgemachtes verschenkt werden.« Ich muss schlucken: »Nee! Wie? Wieso das denn?«

Meine Frau verschränkt die Arme hinter dem Kopf: »Ganz einfach: Weil das gerade total in ist. Außerdem sind solche Geschenke natürlich viel persönlicher als Bücher, Schlipse, Wein oder Socken. Ja, in dem Selbstgemachten kann man etwas von der Beziehu

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