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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2020
Erbsünde Rassismus
Schwarze Befreiungstheologie von der Sklaverei bis zur Ermordung George Floyds
Der Inhalt:

Mein Handy als Anker

von Eva-Maria Lerch vom 30.06.2020
Spiritprotokoll: Seit der Corona-Krise streamt unsere Autorin regelmäßig das Abendgebet von Taizé – und fühlt sich wunderbar getröstet
Trost in der Corona-Krise: Das Abendgebet aus Taizé kann man per Internet mitbeten (Foto: istockphoto/SVETIKD [Mod.]
Trost in der Corona-Krise: Das Abendgebet aus Taizé kann man per Internet mitbeten (Foto: istockphoto/SVETIKD [Mod.]

Ich hätte nie gedacht, dass mein Handy mal ein spiritueller Anker für mich werden könnte. Aber jetzt, in der Corona-Krise, hat mein Smartphone mir eine geistliche Zuflucht eröffnet. Schon seit den ersten Tagen des Lockdown, als wir alle die Bilder der Särge in Italien und den abrupten Rückzug ins Private verkraften mussten, übertrug die ökumenische Bruderschaft von Taizé täglich live über Facebook ihre schlichte Abendandacht. Und immer, wenn ich die auf dem Display sehe, fühle ich mich sofort aufgehoben, getröstet und zugehörig, als wäre ich selbst mit dabei.

Zuerst hört man immer die Glocken, wie sie draußen auf dem leeren Gelände von Taizé vor sich hin bimmeln. Normalerweise sind ja immer Scharen von Jugendlichen auf dem Areal der französischen Kommunität; und abends ruft die Glocke sie zum Gebet in die Versöhnungskirche, wo sie dann alle dicht gedrängt auf dem Boden sitzen. Jetzt sind die Frères dort allein.

Wegen der Seuche darf kein Jugendlicher mehr nach Taizé kommen, und auch die »Permanents«, die dort als Freiwillige arbeiten, mussten abreisen. Trotzdem sind nun abends Tausende Menschen mit dem spirituellen Ort in Burgund verbunden: Im Livestream kann man verfolgen, wie die Teilnehmer sich über die Kommentarfunktion grüßen: »Good evening from Moscow«. »Saludos a todos desde México«. »Bonjour de Liège en Belgique«. Viele schicken auch ein Herz-Emoji dazu. Dank des Streaming-Programms von Facebook sieht das dann wirklich so aus, als ob Hunderte von Herzen in den Gebetsraum fliegen. Obwohl ich solche Emojis kitschig finde, merke ich, wie mich das hier berührt, weil die simple Symbolik ja eine echte Verbundenheit in der Krise zum Ausdruck bringt. Die Herzen kommen aus Lä

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