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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2020
Erlöse mich aus meiner Angst
Über die therapeutische Wirkung der Religion
Der Inhalt:

Wenn sich der Fußballgott verbirgt

vom 02.05.2020
Der Letzte Brief (Vorsicht Satire!): Für den echten Fan ist die Corona-Krise eine schwere Prüfung. Das fußballleere Leben macht ihm schwer zu schaffen. In unserer Satire-Reihe »Der Letzte Brief« will er nur eines: endlich wieder jubeln.
(Illustration: Martin Erl)
(Illustration: Martin Erl)

der Ball rollt nicht mehr, die EM ist abgesagt. Die Pandemie beschert uns Fußballbe-geist-erten gar schreckliche Tage schwerer Anfechtung. Uns ist der Sinn des Lebens abhandengekommen. Gerade erst schrieb uns ein Leidensgenosse: »Ein Leben ohne Fußball ist möglich, aber sinnlos« – und dies, obwohl er Hertha-BSC-Fan ist.

Auch Dir selbst, Du Schöpfer der schönsten Hauptsache der Welt, kann das nicht gefallen. Auch Du musst derzeit furchtbar einsam sein. Wenn in deutschen Stadien allwochenendlich der Stadionsprecher die Spieler bekannt gibt und das ganze Rund nach jedem Namen skandiert: »Fußballgott!«, dann füllt sich Dein Olymp im Nu. Doch nun: Wo keine Gläubigen sind, da sind auch keine Götter. Das Pantheon ist leer, und wir Fußballjünger leben verstreut in der Diaspora, seit Corona herrscht, und grämen uns: Wie kannst Du das zulassen?

Doch so schnell fallen wir nicht vom Glauben ab. Vorerst zehren wir von der Erinnerung an Deine großen Taten. Immer wieder hast Du Dich gezeigt, hast diese unvergleichlich erfüllende Wirklichkeit geschaffen bis hin zu nicht für möglich gehaltenen Wundern. Einer der besonders magischen Momente ereignete sich 1986 bei einem WM-Spiel. Damals hast Du einen Argentinier zu Deinem Werkzeug gemacht. Ein Herr namens Diego Armando Maradona. Ihn hattest Du erwählt, um Deine Macht zu demonstrieren. Du ließest ihn mit seiner Hand, die in Wahrheit allein Du geführt hast, ein Tor erzielen – und der Schiedsrichter hat’s nicht gemerkt. Bis heute erzählt man von diesem Tor der »Hand Gottes«.

Wir hören also nicht auf, Deiner in diesen fußballtrüben Zeiten zu gedenken, in denen Du fern bist, ein vollkommen verborgener Gott, ein

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