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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2012
Hoffen und Widerstehen
Konziliare Versammlung: Reformchristen suchen einen neuen Aufbruch
Der Inhalt:

Hier pfarre ich, ich kann nicht anders

von Ruth Misselwitz vom 31.10.2012
»Seit mehr als dreißig Jahren bin ich Pfarrerin in der Gemeinde Berlin-Pankow, die sich in ihrer Geschichte Nationalsozialisten und DDR-Kadern widersetzt hat.« – Gedanken zum Reformationstag von Ruth Misselwitz
Ruth Misselwitz: »Mehr als dreißig Jahre habe ich in dieser Kirche erlebt, zehn Jahre in der DDR, 21 Jahre in der Bundesrepublik. In dieser Zeit wehte mir der protestantische Geist manchmal ziemlich heftig entgegen.« (Foto: Pramme)
Ruth Misselwitz: »Mehr als dreißig Jahre habe ich in dieser Kirche erlebt, zehn Jahre in der DDR, 21 Jahre in der Bundesrepublik. In dieser Zeit wehte mir der protestantische Geist manchmal ziemlich heftig entgegen.« (Foto: Pramme)

Mitten auf dem Dorfanger steht sie, die alte Pfarrkirche zu Pankow. Um sie herum donnert der Straßenverkehr, über ihr die tief landenden Flugzeuge nach Tegel, unter ihr die Grüfte mit Särgen aus Generationen davor. Seit sechs Jahrhunderten bildet sie das Herz von Pankow. Die Stürme der Zeit sind über sie hinweggefegt, Freud und Leid haben ihre Spuren in den Steinen hinterlassen: wirtschaftlicher Aufschwung und Niedergang, Kriege und Hungersnöte, Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen und wieder Taufen.

»Ich bin die dritte Pfarrerin hier seit der Reformation«

Dreißig Jahre davon habe ich in dieser Kirche erlebt, zehn Jahre in der DDR, 21 Jahre in der Bundesrepublik. In dieser Zeit wehte mir der protestantische Geist manchmal ziemlich heftig entgegen, der in dieser Gemeinde seit Generationen lebendig ist. Als dritte Frau in der Reihe der protestantischen Pfarrer, die seit 463 Jahren den Dienst tun, stehe ich nun als vorerst letzte in der Pfarrerliste, die nach mir noch viele Namen verzeichnen wird.

Die Reformation in der Mark Brandenburg erreichte 1539 auch das kleine Dorf Pankow bei Berlin, als der erste evangelische Pfarrer Johann Moller die Kanzel betrat. In den Jahrhunderten danach gab es viel Mut und Freiheitswillen, Aufbegehren und Unterordnen, Treue zum Evangelium, aber ebenso auch Verrat und Heuchelei.

Eines der dunkelsten Kapitel in der deutschen Kirchengeschichte ist die Zeit des Nationalsozialismus. Die fünf Pfarrer und eine stattliche Anzahl von Gemeindemitgliedern gehörten der Bekennenden Kirche an. Doch unter den Mitgliedern im Pankower Gemeindekirchenrat befand sich auch der Gauobmann der

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