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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2020
Beziehungskrise
Wie Masken, Abstand und digitale Kommunikation die Gesellschaft verändern
Der Inhalt:

Heckscheiben-Babys

vom 02.09.2020
Marvin an Bord: Aufkleber mit Kindernamen an der Heckscheibe fand ich immer albern. Bis ich mit meinem Patenkind in den Urlaub fuhr. Eine Kolumne von Katharina Müller-Güldemeister
Warum haben sie bloß alle diese Aufkleber? (Foto: istockphoto/passengerz)
Warum haben sie bloß alle diese Aufkleber? (Foto: istockphoto/passengerz)

»Marvin an Bord«. »Mia fährt mit«. Die Aufkleber auf Heckscheiben, die mir und dem Rest der Welt verkünden, dass Emma, Ben oder Jacqueline im Auto vor mir herumkutschiert werden, haben mich bislang immer ratlos gemacht. Was sollte ich mit dieser Information anfangen? Sollte ich das Kind mit Namen ansprechen, wenn wir zufällig beim selben Supermarkt landen? Oder waren diese Aufkleber in die Sparte Elternstolz einzuordnen, der sich auch in tausend Bildern auf sozialen Netzwerken Bahn bricht, die die Kinder dann vermutlich irgendwann mal peinlich finden?

Als eine, die noch nicht in den Eltern-Kosmos eingetreten ist, kann ich da nicht ganz folgen. Oft tue ich mich schon schwer damit, etwas Nettes zu erwidern, wenn ich eine Geburtsanzeige bekomme, auf der das kleine Menschenkind abgebildet ist und aussieht, wie Neugeborene eben aussehen. Während die Eltern auf die Bestätigung warten, dass sie das süßeste Baby der Welt haben, bringe ich nur »meine allerherzlichsten Glückwünsche!« hervor und frage, wie die Geburt verlaufen ist.

Danach beginnt für mich allerdings oft eine Saure-Gurken-Zeit, was spannende Geschichten angeht. Freunde, mit denen ich sonst darüber getratscht habe, wer jetzt mit wem zusammen ist (oder nicht mehr), interessieren sich plötzlich hauptsächlich für die Schlafphasen ihres Babys und was beim Zahnen und gegen Durchfall hilft. Ich sitze dann daneben und versuche tapfer, nicht abzuschalten. Denn wie ich gelernt habe, mögen es junge Eltern überhaupt nicht, wenn man ihnen Tipps gibt. Erst recht nicht, wenn Nicht-Mütter das tun.

Das kann ich zwar verstehen, macht es für mich aber keineswegs leichter, solch endlosen Family-Talks beizuwohnen und dabei interessiert

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