Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2012
Russisch Roulette im Labor
Die falschen Versprechungen der grünen Gentechnik
Der Inhalt:

Gut gemacht

von Peter Brandhorst vom 10.04.2012
So ein Lob haben die Langzeitgefangenen in der Justizvollzugsanstalt in Lübeck erstmals wieder in ihrer Schreibwerkstatt gehört
Wenn Schwerverbrecher ihren Gefühlen in selbst geschriebenen Texten Ausdruck geben, dann bricht in vielen etwas auf: Sie haben kleine Erfolgserlebnisse, die ihnen auf dem oft langen Weg in die Freiheit weiterhelfen (Foto : istockphoto)
Wenn Schwerverbrecher ihren Gefühlen in selbst geschriebenen Texten Ausdruck geben, dann bricht in vielen etwas auf: Sie haben kleine Erfolgserlebnisse, die ihnen auf dem oft langen Weg in die Freiheit weiterhelfen (Foto : istockphoto)

Gerade ist hinter einem wieder eine dieser zentnerschweren Türen dumpf krachend in die Schlösser geschlagen, am anderen Ende des mit Kunstlicht ausgeleuchteten Flures wartet bereits das nächste hellgrau lackierte Bollwerk aus Eisen und Stahl. Wie alle Gefängnisse wirkt auch die Justizvollzugsanstalt Lübeck - ein hinter Mauern und Stacheldraht nach außen abgeriegelter Ort - auf den Besucher wie eine Festung aus ferner Zeit.

Etwa 440 Männer leben zurzeit in Schleswig-Holsteins größtem Knast, in einem separaten Trakt weitere rund 40 Frauen. Und wie sonst hinter Gittern auch, darf Leben hier keineswegs mit Wohnen verwechselt werden. Wer an einem solchen Ort feststeckt, hat zuvor gegen gesellschaftliche Normen und Gesetze verstoßen. In Lübeck verbüßen Langzeitgefangene ihre Strafen - wegen Mordes oder Totschlags, dazu kommen die Räuber, Drogendealer und Betrüger.

Keiner hat zuvor eigene Texte geschrieben

Freitagnachmittags, ein vergitterter Unterrichtsraum abseits der Zellentrakte. Seit einigen Monaten treffen sich dort alle zwei Wochen Gefangene zu einer Schreibwerkstatt. Alle kommen freiwillig, einige kannten sich bereits vorher aus dem Knastalltag. Jetzt sollen sie sich eigene Themen suchen, sollen über ihre Gedanken und Gefühle sprechen und diese anschließend auf ihrer Zelle schriftlich ausformulieren. Später würde die Möglichkeit bestehen, hatte man ihnen angeboten, einige der so entstandenen Arbeiten in einer örtlichen Obdachlosenzeitung zu veröffentlichen.

Kein Teilnehmer hatte zuvor in seinem Leben eigene Texte geschrieben, alle haben bisher höchstens im Zusammenhang mit einer Straftat schon mal über sich in einer Zeitung lesen können. Freunde, mit denen man vorher über die Werkstattidee sprach, tippten: »Die schreiben da

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen