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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2019
Vision einer neuen Kirche
Von Maria 2.0 zur ersten Päpstin
Der Inhalt:

Gerechtigkeit, nicht Rache

von Ulrike Scheffer vom 10.10.2019
Vor dreißig Jahren fiel die Mauer. Die DDR hatte abgewirtschaftet. Welche Lehren lassen sich aus den Akten der Staatssicherheit über den Unrechtsstaat ziehen: Fragen an Roland Jahn, den Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen.
Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen: Roland Jahn (Foto: bstu/Mulders)
Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen: Roland Jahn (Foto: bstu/Mulders)

Publik-Forum: Herr Jahn, in Ihren Archiven stehen 111 Kilometer Akten. Wie viele davon sind bisher eingesehen worden?

Roland Jahn: Das wird nicht systematisch ausgewertet. Wir erfassen die Zahl der Anträge auf Akteneinsicht: Seit 1990 wurden mehr als sieben Millionen Anträge gestellt, darunter mehr als drei Millionen von Bürgern, die von ihrem Recht Gebrauch gemacht haben, ihre persönliche Akte einzusehen. Viele Antragsteller kommen erst im Rentenalter, wenn die Enkelkinder fragen: Wie war das damals in der DDR?

Was sind die Lehren aus der Aufarbeitung der Stasi-Hinterlassenschaft?

Jahn: Historisch gesehen gehört dazu die Erkenntnis, dass das Ministerium für Staatssicherheit, die sogenannte Stasi, kein Staat im Staate war, sondern ein Machtinstrument der SED. Die DDR war eine SED-Diktatur, keine Stasi-Diktatur. Mit Blick auf die Gegenwart lehrt uns die Auseinandersetzung mit der Stasi, wie wichtig es ist, staatliches Handeln transparent zu gestalten und Geheimdienste einer gesellschaftlichen Kontrolle zu unterstellen.

Welchen Stellenwert hat Ihre Arbeit im Zusammenhang der Aufarbeitung?

Jahn: Der Zugang zu den Akten der DDR-Geheimpolizei ist ein ganz wesentliches Element der Aufarbeitung der SED-Diktatur. Dabei ging es zunächst darum, den Opfern des Systems gerecht zu werden und ihnen Einsicht in ihre Akten zu ermöglichen. Die Überprüfungen im öffentlichen Dienst haben in den 1990er-Jahren dann dazu beigetragen, das Vertrauen in die demokratischen Institutionen herzustellen. Dass man sicher s

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