Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2018
Gott wird Wort
In der modernen Welt vom Unsagbaren reden
Der Inhalt:

Das Lied vom Dschungel-Bert

von Anne Lemhöfer vom 22.12.2018
Wenn Kinder Weihnachtslieder singen, deren Text sie noch nicht kennen, kommt meist etwas Schönes dabei heraus
Kling Glöckchen, klingelingeling: Mit das Schönste an Weihnachten sind die Weihnachtslieder. Auch das Lied vom Dschungel-Bert. (Foto: istockphoto/dimdimich)
Kling Glöckchen, klingelingeling: Mit das Schönste an Weihnachten sind die Weihnachtslieder. Auch das Lied vom Dschungel-Bert. (Foto: istockphoto/dimdimich)

Das Schönste an Weihnachten ist, wenn alle zusammen satt und zufrieden zwischen knisternden Geschenkpapierhaufen mit Lego bauen. Das Zweitschönste sind die Weihnachtslieder. Das erste »Kling Glöckchen, klingelingeling« des Jahres aus der krächzenden Box am Kräuterbonbon-Stand auf dem Weihnachtsmarkt (übertönt von »Stille Nacht« bei den Knobi-Baguettes) lässt uns lächeln. Oder aufstöhnen. Es »macht etwas mit uns«, wie Psychologinnen sagen würden.

Als meine Tochter vier war und in Regenhose und Gummistiefeln an meiner Hand durch die nasse, dunkle Dezemberstadt stapfte, wollte sie auf einmal singen. »Was wollen wir denn singen?«, fragte ich. »Das Lied vom Dschungel-Bert«, sagte sie. »Das haben wir heute im Morgenkreis gesungen.« Na gut, es war keine kirchliche Einrichtung, aber: der Dschungel-Bert? »Na dann, sing mal vor.« »Dschungel-Bert, Dschungel-Bert, Dschungel all so weh …« Und auf einmal sah ich ihn vor mir, mit seinem Safarihut und dem schlecht geschnittenen Bart und den Tennissocken in den Sandalen, wie er ungelenk an einer Liane zappelte. »Jingle bells! Jingle bells! Jingle all the way …« Es lebe das Frühenglisch.

»Es ist ein Ross entsprungen«

Weihnachtslieder sind etwas Wunderbares, der Wahrheit des Lebens auf der Spur. Sie begleiten uns quasi von Geburt an, lange bevor unser Hirn »Himmlische Heere« und »Hosianna« einordnen kann. Warum besingen wir entsprungene Pferde (»Es ist ein Ros …«)? Wie kann die ganze Welt verloren gehen? Was ist das für eine Turnübung, die die Hirten vollführen (»Oh, beugt wie die Hirten anbetend die Knie«)? In einer Kirchenbank haben Kinder viel Muße, geheimnisvollen Sätzen in rätselhafter Grammatik nachzusinnen (»Sahahaha-hei gegrüßet K

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen