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Publik-Forum, Heft 22/2012
Leben gegen die Angst
Die Gesellschaft ist gelähmt. Doch die Kirchen nutzen ihre Kraft nicht
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Das Kümmer-Gen

von Antje Schrupp vom 23.11.2012
Woher nehmen Menschen die Motivation, für andere zu sorgen? Liegt sie auf den Genen? Warum die Volkswirtschaft aufhören muss, sich auf unbezahlte Sorge-Arbeit zu verlassen
Füreinander Sorge tragen: Bedürftig sind nicht nur kleine Menschen, sondern auch kranke. Und manchmal sogar beste Freundinnen, die getröstet werden müssen. (Foto: pa/Image Source/Pangbourne)
Füreinander Sorge tragen: Bedürftig sind nicht nur kleine Menschen, sondern auch kranke. Und manchmal sogar beste Freundinnen, die getröstet werden müssen. (Foto: pa/Image Source/Pangbourne)

Gerade ist es beschlossen worden, das unbeliebte Betreuungsgeld. So recht wollte es außer der CSU und der Familienministerin Kristina Schröder niemand. Trotzdem drückte die Regierungskoalition es durch. Die FDP bekam dafür die Abschaffung der Praxisgebühr geschenkt, ein aus liberaler Sicht guter Kuhhandel. Und Peer Steinbrück, Kanzlerkandidat der SPD, verkündete im Bundestag: Sollte es zu einem Regierungswechsel kommen, werde er sich als Erstes das Gesetz zum Betreuungsgeld zur Brust nehmen. Lange gebe es diesen Unsinn nicht.

Der aufgeregte Streit um das Betreuungsgeld lenkt davon ab, dass das Problem sich nicht an ein paar hundert Euro hier oder dort entscheidet. Es geht um viel grundlegendere Fragen, nämlich darum, wie wir Arbeiten, die gesellschaftlich notwendig, aber nicht im kapitalistischen Sinn »profitabel« sind – etwa die Betreuung von Kindern –, in Zukunft gewährleisten. Und wie wir das Auskommen derjenigen sicherstellen, die diese Arbeiten tun. Noch immer sind das sehr viel mehr Frauen als Männer.

»Care« ist das Stichwort, unter dem Arbeiten zusammengefasst werden, die Menschen für andere erbringen, die dazu selbst nicht in der Lage sind. Das Wort kommt aus dem Englischen und kann mit »für jemanden sorgen« übersetzt werden. Dabei geht es um ein breites Spektrum von meist unbezahlter Arbeit: die Erziehung von Kindern, die Pflege von Alten und Kranken, die Assistenz bei Behinderungen, aber auch alles das, was unter »haushaltsnahe Dienstleistungen« firmiert – Putzen, Einkaufen, Kochen. Das Thema ist brisant, denn es lie

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