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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2014
Klaus Mertes: Was sich in der katholischen Kirche ändern muss
Der Inhalt:

Das gibt Sinn!

von Eva Baumann-Lerch vom 27.05.2014
Wo finden Menschen ihren Platz im Leben? Wo sie über ihre privaten Angelegenheiten hinauskommen und für das größere Ganze arbeiten. Wo sie Dinge tun oder schaffen, die von bleibendem Wert sind. Ein Gespräch mit Tatjana Schnell, der Begründerin der empirischen Sinnforschung
Wie findet der Mensch seinen Lebenssinn? Tatjana Schnell, Professorin am Institut für Psychologie der Universität Innsbruck mit dem Schwerpunkt empirische Sinnforschung, hat darüber geforscht (Foto: Wendy Hern)
Wie findet der Mensch seinen Lebenssinn? Tatjana Schnell, Professorin am Institut für Psychologie der Universität Innsbruck mit dem Schwerpunkt empirische Sinnforschung, hat darüber geforscht (Foto: Wendy Hern)

Publik-Forum: Frau Schnell, was ist der Sinn des Lebens?

Tatjana Schnell: (lacht) Niemand kann einem anderen Sinn geben, auch die psychologische Sinnforschung kann das nicht. Aber wir können Erkenntnisse bereitstellen, die Menschen helfen, den Sinn in ihrem Leben zu finden.

Wo finden denn Menschen ihren Lebenssinn?

Schnell: Vor allem dort, wo sie Dinge tun oder erschaffen, die von bleibendem Wert sind. Wir nennen das »Generativität«. In empirischen Studien haben wir 26 Lebensbereiche gefunden, die Menschen als sinnstiftend erleben. Darunter fallen so unterschiedliche Dinge wie Naturverbundenheit, Leistung oder Wellness. Die stärksten Sinnquellen sprudeln aber dort, wo Menschen für etwas da sind, das über ihre privaten Angelegenheiten hinausgeht. Wo sie ihre eigenen Bedürfnisse und Interessen überschreiten und sich für das größere Ganze einsetzen, erfahren sie Sinn. Wir bezeichnen diese Dimension als »Selbsttranszendenz«.

Unsere Gesellschaft ist aber weniger auf Bindung als auf individuelle Freiheit und Selbstverwirklichung ausgerichtet. Leben wir also falsch?

Schnell: Es macht zumindest nachdenklich, dass nach unseren Studien nur sechzig Prozent der Deutschen ihr Leben als sinnvoll empfinden. Das ist nicht viel – in einem Land, das alles hat. In Bulgarien, einem der ärmsten Länder Europas, wo wir ebenfalls geforscht haben, liegt die Sinnerfahrung jedenfalls deutlich höher. Es scheint, als ob es schwieriger ist, einen Sinn für sich zu finden, wenn man auch ohne menschlichen Zusammenhalt überleben kann.

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