Zur mobilen Webseite zurückkehren

Brauchen wir eine Leitkultur?

von Raed Saleh vom 03.05.2018
»Ja!«, sagt der Sozialdemokrat Raed Saleh. »Denn nur so können wir das Grundgesetz mit Leben füllen. Die Frage nach Identität darf nicht dem rechten Lager überlassen werden.« Ein Beitrag in unserer Reihe »Streitfragen zur Zukunft« – und Widerspruch zur Position von Alexander Schwabe
»Aus dem Vorgärtchen winkt der Gartenzwerg, und der neue Heimatminister grüßt im Trachtenjanker zurück ...« So könnte eine Karikatur der deutschen Leitkultur aussehen. Aber Raed Saleh (rechts) will die Leitkultur aus Provinzialität und rechtskonservativem Denken befreien. (Fotos:pa/westend61/Anna Huber;  pa/ Gambarini)
»Aus dem Vorgärtchen winkt der Gartenzwerg, und der neue Heimatminister grüßt im Trachtenjanker zurück ...« So könnte eine Karikatur der deutschen Leitkultur aussehen. Aber Raed Saleh (rechts) will die Leitkultur aus Provinzialität und rechtskonservativem Denken befreien. (Fotos:pa/westend61/Anna Huber; pa/ Gambarini)

»Was macht die deutsche Kultur aus? Welche gemeinsamen Werte verbinden uns? Und welche Positionen sind in diesem Land nicht verhandelbar? Über diese Fragen wird leidenschaftlich debattiert. Die gesellschaftliche Diskussion hat sich dabei meiner Beobachtung nach in zwei konträre Lager unterteilt: Die erste Position entstammt dem rechtskonservativen Lager und besagt, dass unsere kulturelle Identität etwas Fixes und Unveränderliches sei. Diese feste Identität speise sich aus einer – vermeintlich besseren – Vergangenheit und müsse sich äußeren Einflüssen gegenüber abgrenzen, um bewahrt zu werden. Demgegenüber vertritt die zweite, linksprogressive Position eine vehement andere Haltung, die offensichtlich auch Alexander Schwabe teilt.

Die Vertreterinnen und Vertreter dieser Position argumentieren, dass die Suche nach einer gemeinsamen kulturellen Identität von Beginn an ein verlorenes Unterfangen sei. Vielmehr sei es das Ziel einer progressiven Gesellschaft, bewusst keine verbindende kollektive Identität für die Gesellschaft zu fordern. Stattdessen wird das Nebeneinander vielfältiger kultureller Identitäten zum gesellschaftlichen Credo. In diesem Kampf um Deutungshoheit entsteht zuweilen der Eindruck, dass es sich um ein Nullsummenspiel handelt, bei dem sich eine Position auf Kosten der anderen durchsetzen müsse. Das ist aber zu kurz gedacht.

Für mich liegen beide Positionen gleichermaßen falsch. Die erste Position hält dem Realitätscheck schon bei einem oberflächlichen Blick in die Geschichte nicht stand ...

Die zweite Position kommt meinem Verständnis eines modernen, weltoffenen und demokratischen Deutschlands deutlich näher. Eine multikulturelle Gesellschaft zu verkünden, ohne

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen