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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2018
Ganz allein
Wie Einsamkeit Mensch und Gesellschaft krank macht – und wie man sie heilen kann
Der Inhalt:

Streitfragen
zur Zukunft: Brauchen wir eine deutsche Leitkultur?

von Raed Saleh vom 27.04.2018
Ja, denn nur so können wir das Grundgesetz mit Leben füllen Die Frage nach Identität darf nicht dem rechten Lager überlassen werden

Was macht die deutsche Kultur aus? Welche gemeinsamen Werte verbinden uns? Und welche Positionen sind in diesem Land nicht verhandelbar? Über diese Fragen wird leidenschaftlich debattiert. Die gesellschaftliche Diskussion hat sich dabei meiner Beobachtung nach in zwei konträre Lager unterteilt: Die erste Position entstammt dem rechtskonservativen Lager und besagt, dass unsere kulturelle Identität etwas Fixes und Unveränderliches sei. Diese feste Identität speise sich aus einer – vermeintlich besseren – Vergangenheit und müsse sich äußeren Einflüssen gegenüber abgrenzen, um bewahrt zu werden. Demgegenüber vertritt die zweite, linksprogressive Position eine vehement andere Haltung, die offensichtlich auch Alexander Schwabe teilt.

Die Vertreterinnen und Vertreter dieser Position argumentieren, dass die Suche nach einer gemeinsamen kulturellen Identität von Beginn an ein verlorenes Unterfangen sei. Vielmehr sei es das Ziel einer progressiven Gesellschaft, bewusst keine verbindende kollektive Identität für die Gesellschaft zu fordern. Stattdessen wird das Nebeneinander vielfältiger kultureller Identitäten zum gesellschaftlichen Credo. In diesem Kampf um Deutungshoheit entsteht zuweilen der Eindruck, dass es sich um ein Nullsummenspiel handelt, bei dem sich eine Position auf Kosten der anderen durchsetzen müsse. Das ist aber zu kurz gedacht.

Für mich liegen beide Positionen gleichermaßen falsch. Die erste Position hält dem Realitätscheck schon bei einem oberflächlichen Blick in die Geschichte nicht stand. Die deutsche Gesellschaft ist seit jeher durch Einflüsse von außen geprägt gewesen: vom Einfluss des römischen Reichs auf das damalige Germanien über die Völkerwanderungen, die mittelalterliche Osterweiterung, die Wanderungsströme während der Industrialisierung in die Städte bis heute – Deutschland war und ist ein Einwanderungsland. Wer Cappuccino, Döner oder Pizza heute als etwas Normales und Alltägliches ansieht, muss auch die Veränderungen akzeptieren, die damit einhergegangen sind. Einwanderung ist fester Bestandteil der deutschen Geschichte.

Die zweite Position kommt meinem Verständnis eines modernen, weltoffenen und demokratischen Deutschlands deutlich näher. Eine multikulturelle Gesellschaft zu verkünden, ohne gleichzeitig Angebote für eine gemeinsame Identität zu schaffen, führt allerdings zu einem ungewollten Nebeneffekt: Indem sie die Frage nach einer kollekt

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