Buchbesprechungen

Claire Bingham
Home for Christmas
teNeues. 192 Seiten. 29,90 €
Eine Weihnachtsreise in Wohnzimmer rund um die Welt präsentiert die Fachjournalistin für Wohnkultur und Fotografin Claire Bingham. 120 meist großformatige Fotografien vermitteln anheimelnde und auch kuriose Eindrücke von Traditionen und Bräuchen. Sie zeugen davon, wie unterschiedlich (oder gleichartig) zu Weihnachten Zimmer geschmückt werden und wie das Fest begangen wird. Alle Bewohner legen Wert auf Festlichkeit, auch wenn nicht überall klar ist, worum es bei Weihnachten eigentlich geht. Homestorys aus London, Bergen, Schweden, USA oder von der Südhalbkugel setzen Akzente; ein surfender Weihnachtsmann und eine Madonna, eine »Weihnachtsgurke« und ein »Spinnennetz« zeigen die enorme Bandbreite. Weihnachten ist ein Weltfest geworden. Gleichwohl: Ann-Sophie Ulkas, die in Dänemark schon im November mit dem Dekorieren beginnt, geht an Heiligabend »sehr gern in die Kirche, dort spüre ich den Frieden und die Ruhe der Weihnachtszeit«. Auch die Deko hat einen wahren Kern. Norbert Copray
Peter Dyckhoff
Das Goldene Buch vom Ruhegebet
fe-medien. 360 Seiten. 15 €
Für den schwer erkrankten katholischen Priester, Meditationsbegleiter und unermüdlichen Botschafter des Ruhegebets ist dieses Buch das Fazit seines spirituellen Lebens. Das Ruhegebet ist eine frühchristliche Gebetsform, die auf Johannes Cassianus (360-435) zurückgeht, die dieser den Wüstenvätern abgelauscht haben soll. Betende verzichten dabei auf bewusstes Denken und zentrieren sich durch das Wiederholen einer einfachen Gebetsformel. Das Ziel besteht darin, innere Freiheit und Gelassenheit zu gewinnen und die Beziehung zu Jesus Christus zu stärken. Der 88-jährige Autor, Verfasser von mehr als 50 Büchern, legt eine Anleitung in kurzen Absätzen vor, die eine persönliche Glaubenserfahrung ermöglichen kann.
Norbert Copray
Lisa Poettinger
Klimakollaps und soziale Kämpfe
Oekom. 210 Seiten. 18 €
Der Klimaschutz-Aktivistin Lisa Poettinger, die in der Münchner Gruppe von Extinction Rebellion organisiert ist, wird vorgeworfen, eine Verfassungsfeindin zu sein. 2025 erhielt die Pädagogin Berufsverbot durch das bayerische Kultusministerium. In ihrem Buch zeigt sie, dass die Menschen im Globalen Süden, die am wenigsten zur Klimakrise beitragen, die Hauptlast tragen – während in erster Linie international agierende Konzerne von einem ausbeuterischen System profitierten. »Klimaschutz in einer ungerechten Welt« könne nicht funktionieren. Es brauche nicht nur den Mut Einzelner. Wir alle müssten uns für mehr Gerechtigkeit einsetzen, wenn die Menschheit überleben soll. Poettinger verweist auf viele wissenschaftliche Erkenntnisse und liefert Denkanstöße. Vieles von dem, was sie vorstellt, ist nicht neu. Das schwere Thema wird leicht verständlich präsentiert und mit vielen Zeichnungen lesefreundlich gestaltet. Man wünscht sich, dieses Buch würde in den Schulen gelesen.

Christine Weber-Herfort
Maureen Reitinger
Mut
Kremayr & Scheriau. 112 Seiten. 20 €
Mut tut gut? Mut ist anstrengend und unbequem! Vielleicht so: Mut macht Mut! Wie gut, dass sich die Wiener Autorin Maureen Reitinger diesem Thema engagiert und persönlich widmet. Sie schaut nicht auf Mut als große Geste. Ihr geht es um alltägliche Situationen, in denen Menschen Ausdauer zeigen, persönliche Herausforderungen angehen, zu anderen und zu sich stehen – auch in Verletzlichkeit, in Veränderungsprozessen oder im Alleinsein. Besonders dicht und authentisch wird die Autorin in der Schilderung ihrer massiven Essstörung. Ehrlich und klar zeigt Maureen Reitinger auf, in wie vielen Momenten bei deren Bewältigung Mut gefragt war … Eine Mut-Liste rundet das kleine Buch originell ab in seinen schillernden und nur scheinbar widersprüchlichen Perspektiven. Von »Alleinerzieherin sein« über »Hilfe annehmen«, »Verantwortung übernehmen«, »Hijab in Österreich tragen«, »Altern«, »um Verzeihung bitten« ist alles dabei – mutig! Marie-Luise Habbel
Bernd Winkelmann
Das Ganze sehen
Büchner. 300 Seiten. 28 €
Man kann dieses Buch durchaus als eine Lebensbilanz sehen. Bernd Winkelmann hat stets versucht, das Gute im Menschen, seine Bereitschaft zu Veränderungen wahrzunehmen, ohne dabei die aggressive, zerstörerische Seite des Menschen zu verdrängen. Der evangelische Theologe, der zunächst ein Handwerk lernte und sich Jahrzehnte später für die friedliche Revolution engagierte, schildert kenntnisreich die Entwicklung von der Evolution und der Entstehung des Kosmos über die Entfaltung der Zivilisation bis hin zu den alles beherrschenden Strukturen des Kapitalismus. Doch jetzt stehe unsere Zivilisation an einer Wegscheide. Sie müsse sich entscheiden zwischen der Selbstzerstörung und einem sozialethischen Reifeprozess, der einen Ausweg aus dem Pfad des Untergangs weisen könnte. Das Buch ist einerseits verständlich erzählt. Andererseits machen die Vielzahl historischer Zusammenhänge und die Beschreibung der Wechselwirkungen zwischen Naturwissenschaft, Religion und Gesellschaft es dennoch zu einer Herausforderung für die Leserinnen und Leser. Doch wer sich dieser Herausforderung stellt, wird am Ende mit fundiertem Wissen über die Entwicklung der Menschheit belohnt.
Wolfgang Kessler




