Romero selig – besser spät als nie
Es hat ärgerlich lange gedauert. Endlich wird der damalige Erzbischof Oscar Romero selig gesprochen. Eine schon lange überfällige Entscheidung. Es zeigt sich, dass die Kurie – hier die Heiligsprechungskongregation – mit zweierlei Maß misst: Denn bei Johannes Paul II., dem kirchlich und politisch hoch umstrittenen Papst, benötigte Rom nur sechs Jahre bis zur Seligsprechung.
Träge dagegen ist das Tempo Roms im Fall Romero. Rechte Kräfte in der Kurie bremsten mit dem Argument, der vehemente Verteidiger der Armen sei wegen seines linkspolitischen Protests von einem Rechtsextremen erschossen worden – und nicht wegen seines christlichen Bekenntnisses. Folglich erörterten Kirchenfunktionäre hinter dicken Mauern viele Jahre lang die Frage, ob denn Romero – wie für eine römisch-katholische Heiligsprechung erforderlich -, als »Glaubenszeuge« starb oder nur als »Gerechtigkeitszeuge«. Dabei ist der Einsatz für die Armen eine elementare christliche Aufgabe, wie ein Blick in die Bibel lehrt.
Es war Papst Franziskus, der mehrfach Druck machen musste, den Fall Romero nicht zu verschleppen. Ebenso wie er Druck macht im Falle von Romeros geistlichem »Zwillingsbruder«, dem argentinischen Bischof Enrique Angelelli, der 1976 von Militärs ermordet wurde.
Macht eine Selig- oder Heiligsprechung überhaupt Sinn? Ökumenisch nicht. Doch in Lateinamerika freuen sich viele Christen, dass ihr Heiliger endlich auch von Rom anerkannt wird. Denn sie haben Romero längst zum »Märtyrer der Kirche der Armen« erhoben.
