Der Papst besucht Frankreich
Leo XIV. in Paris: Kleines Protokoll, große Auftritte
Ist es demonstrative kirchliche Bescheidenheit oder fasst der Heilige Stuhl die Politiker der »ältesten Tochter der Christenheit« weiterhin mit spitzen Fingern an? Bei seinem ersten Besuch in Frankreich vom 25. bis 28. September hat Papst Leo XIV. nach Medienberichten das bei Staatsbesuchen übliche »große Protokoll« ausgeschlagen – und dabei wohl auch Präsident Emmanuel Macron der bildstarken Gelegenheit beraubt, seinen hohen Gast höchstselbst durch die glanzvoll wiederhergestellte Basilika Notre Dame in Paris zu führen.
Seit Jahren herrscht Missstimmung zwischen Paris und Rom: seit Macron das Recht auf Abtreibung in die Verfassung geschrieben und Sterbehilfe erleichtert hat. Andererseits erwartet man großen Zustrom von Gläubigen zu Leos öffentlichen Auftritten – etwa zur Gebetsnacht mit Jugendlichen. Für den Papstgottesdienst am Samstag wurde der größte Platz von Paris reserviert, die Place de la Concorde.
Leo XIV. wird bis Montag auch den Marienwallfahrtsort Lourdes besuchen, und in Metz, wo Robert Schuman, einer der geistigen »Väter« eines geeinten Europas lebte, wird eine politische Rede des in Amerika geborenen Papstes zur Rolle des »alten Kontinents« erwartet.

