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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2023
Der Inhalt:
Leben & Kultur

Kino-Tipp
Weihnachten in Flammen

von Birgit Roschy vom 12.12.2023
Die französische Komödie »Fast perfekte Weihnachten« ist trotz Krawall-Slapstick überraschend tiefsinnig.
Schöne Bescherung: In der französischen Komödie »Fast perfekte Weihnachten« sorgen zwei spontan eingeladene Seniorinnen für Chaos.
Schöne Bescherung: In der französischen Komödie »Fast perfekte Weihnachten« sorgen zwei spontan eingeladene Seniorinnen für Chaos.

Kino. Vincent, ein Mann im besten Alter und Weihnachtsfan, dekoriert aufgekratzt sein Haus und bereitet das Familientreffen vor. Als seine Kinder kurzfristig absagen, ist er schwer geknickt. Die Predigt beim Weihnachtsgottesdienst bringt ihn auf eine Idee: Er klappert die Altersheime ab, um einen einsamen alten Menschen einzuladen. Man empfiehlt ihm Monique, eine zarte alte Dame, die aber nur im Duo mit ihrer Busenfreundin Jeanne glücklich ist. So sitzen schließlich beide in Vincents Wohnzimmer. Und die bärbeißige Jeanne ist von anderem Kaliber als die schüchterne Monique. Schöne Bescherung! In dieser französischen Komödie wird zwar nicht auf Krawall-Slapstick – hier ein Feuerchen, dort eine nachbarliche Ruhestörung – verzichtet. Die wahre Stärke dieses überraschend tiefsinnigen Weihnachtsfilms sind jedoch die Dialoge, in denen zwischen Apéro und Dessert mit geschliffener Bosheit Dinge angetippt werden, bei denen sonst taktvolles Schweigen angebracht ist. So werden mit schwarzem Humor die Narrenfreiheit, die tüdelige alte Menschen genießen, die Peinlichkeiten im Umgang mit Gebrechen, aber auch das entmündigende Verhalten ihrer Betreuer aufgespießt. In dieser Feelgood-Komödie spiegeln sich mittelalte Menschen, die sich nicht alt fühlen, in sehr alten Menschen, die den Tod vor Augen haben. Aus dieser traurig-weisen Perspektive sind die Kümmernisse, die das Ehepaar beschäftigen, bloße Zeitverschwendung. Wie so oft in französischen Filmen bekommt das Publikum diese bittersüßen Lektionen mit leichtfüßiger Eleganz statt mit erhobenem Zeigefinger serviert. Joyeux noël!

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 24/2023 vom 15.12.2023, Seite 55
Der Hirte bin ich
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Die Schriftstellerin Felicitas Hoppe über Weihnachten zwischen Kitsch und Verheißung
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