in Memoriam
Pilger am Fluss des Lebens
Emmanuel Jungclaussen war ein Mann der leisen Töne. Seine ganze Leidenschaft galt der Suche nach einer Spiritualität, die es dem Menschen ermöglicht, »in der Welt von heute innerlich wie äußerlich zu überleben.« Der 1927 in Frankfurt an der Oder geborene Gärtnerssohn interessierte sich schon früh für Religionsphilosophie und Mystik. Als 19-Jähriger konvertierte er zum Katholizismus, später trat er in das Benediktinerkloster Niederalteich ein, deren Mönchsgemeinschaft die westliche wie die östliche Liturgie pflegt. Ein Jahr lebte er in einer buddhistischen Einsiedelei in Japan und vertiefte sich in Zen-Meditation. Überregional bekannt wurde Jungclaussen als Exerzitienmeister, Meditationslehrer und Herausgeber geistlicher Schriften, vor allem aus der ostkirchlichen Tradition. Die Figur des Pilgers als Gegentyp zu einem westlich-rationalen Menschenbild war ihm kostbar. Als die Donau ausgebaut und begradigt werden sollte, wurde der Abt zur Ikone des Widerstands. Die Pläne wurden wieder aufgegeben, Jungclaussen erhielt später für seine Verdienste die Bayerische Staatsmedaille. Er starb mit 91 Jahren.
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