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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2023
Der Inhalt:

Literatur
Zeugnis aus dem grauen Nebel des Niemandslands

von Armin Rohrwick vom 28.11.2023
(Foto: istockphoto/clu)
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Roman. Dieses Buch ist das erschütternde Zeugnis der Shoa-Überlebenden Cordelia Edvardson (1929-2012). 1984 erschien es auf Schwedisch, 1986 auf Deutsch. Nun ist es in einer Neuübersetzung wiederzuentdecken. In seinem Nachwort stellt es Daniel Kehlmann in eine Reihe mit den Holocaust-Erinnerungen von Primo Levi, Imre Kertész oder Ruth Klüger. Cordelia Edvardson war die uneheliche Tochter von Elisabeth Langgässer (1899-1950), einer ultrakatholischen Lyrikerin und Erzählerin. Zwar katholisch getauft und erzogen, gilt Cordelia im Dritten Reich trotzdem als »Volljüdin«, denn Langgässer hatte selbst einen jüdischen Vater, und Cordelia stammte aus einer Affäre mit dem jüdischen Staatsrechtler Hermann Heller. Der autofiktionale Text erzählt von der alltäglichen Ausgrenzung des Kindes, wie es nach Theresienstadt, dann nach Auschwitz deportiert wird, dort »im grauen Nebel des Niemandslands« überlebt und schließlich nach dem Krieg in Schweden und Israel ins Leben zurückfindet. In einer Sprache, die kein falsches Pathos aufkommen lässt, genau beobachtet und voller Reflexion und Empathie ist, werden die Leser mit dem Grauen des Lagers konfrontiert. Zusätzlich verstört an Cordelias Schicksal zutiefst, wie eine von Ambivalenzen geprägte Mutter-Tochter-Beziehung vor dem Hintergrund des mörderischen Regimes fast zum Tod der Tochter führt. Denn aufgewachsen im »Zauberkreis« der Mutter, wo sich katholische Mystik und antike Mythen zum dunklen Geraune über Opfer, Tod und Erlösung vermischen, ist die manipulierte Tochter in einer alles entscheidenden Situation bereit, sich für die Mutter zu opfern, damit diese einer möglichen juristischen Verfolgung entgeht. Das Buch gerät aber nicht zur Abrechnung mit der wirklichkeitsfremden und narzisstischen Elisabeth Langgässer, sondern ist eine schmerzhafte Auseinandersetzung mit dem Verrat durch die eigene Mutter. Und zugleich das Zeugnis einer mutig-trotzigen Rückkehr ins Leben – als Jüdin.

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