Das Mysterium findet im Gallus statt
Im Sitzen oder im Gehen, im gemeinsamen Musizieren, im Streiten und Debattieren finden die 51 Workshops der Konziliaren Versammlung statt. Stets geht es dabei um die politischen »Zeichen der Zeit«, um »Hoffnung und Widerstand«. Den Krückstock hat der zierliche, in Schwarz gekleidete Mann mit den tiefblauen Augen beiseite gelegt. Bischof Luigi Bettazzi erzählt vom Konzil. Der ehemalige Oberhirte des Bauern- und Arbeiterbistums Ivrea in Nordwestitalien erinnert sich genau, wie das war, als er und 39 andere Bischöfe sich am 16. November 1965, im letzten Monat des Zweiten Vatikanischen Konzils, in der römischen Domitilla-Katakombe trafen. Dort, am Gedenkort für die ersten Christengemeinden Roms, gelobten die Konzilsväter einen konsequent einfachen Lebensstil, ferner einen Positionswechsel auf die Seite der Armen und Unterdrückten, um »durch nichts vom Leben der einfachen und armen Leute getrennt zu sein«, sagt Bettazzi. »Wir machten anschließend Werbung«, erzählt der 88-Jährige, »binnen kurzer Frist schlossen sich fünfhundert Konzilsväter unserem Katakombenpaktan.«
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