Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2012
Hoffen und Widerstehen
Konziliare Versammlung: Reformchristen suchen einen neuen Aufbruch
Der Inhalt:

Ajanthas Mission

von Klemens Ludwig vom 26.10.2012
Die Konsumkritikerin will die Menschen in Sri Lanka zu einem neuen Lebensstil, der gemeinhin als »nachhaltig« bezeichnet wird, bewegen

Internationale akademische Karriere oder Arbeit mit Müllmenschen? Jeder, der diese Wahl hat, wird nicht lange zögern. Ajantha Perera ebenso wenig. Als sie vor einer solchen Entscheidung stand, kehrte die Frau aus Sri Lanka der akademischen Welt kurz entschlossen den Rücken und begab sich wieder in ihre Heimat – zu den Menschen, denen nichts anderes übrig bleibt, als das einzusammeln, was die Privilegierteren auf den Müll geworfen haben.

Dabei hätte alles ganz anders kommen können. Der heute knapp fünfzigjährigen Tochter eines singhalesischen Diplomaten stand die Welt offen. Als junge Frau ging sie zum Studium ins britische Sheffield. »Ich war schon immer an naturwissenschaftlichen Zusammenhängen interessiert. Deshalb schrieb ich mich für Chemie ein«, erinnert sie sich. Auch das würde man der mütterlich und warmherzig wirkenden Frau nicht unbedingt ansehen. »Erzieherin« könnte man denken, wenn man ihr begegnet. Dafür sprechen auch ihre Fürsorge und der Humor, den sie ausstrahlt. Doch Perera passt in kein Klischee. Sie hat ihr Chemie-Studium so erfolgreich abgeschlossen, dass sie ein Promotionsstipendium der Carl-Duisburg-Gesellschaft erhielt. Dafür zog es sie nach München. Sie lernte Deutsch und promovierte an der Ludwig-Maximilians-Universität in Umwelttechnologie. Das Glück schien perfekt, denn der lukrativen Karriere im gelobten Westen, dem Traumziel vieler Menschen nicht nur in Sri Lanka, stand nichts mehr im Wege – außer ihre innere Stimme. »Als mir alles offenstand, war mir plötzlich klar, dass ich zurück in die Heimat musste; dass dort mein Platz sein würde.« Und mit einem herzlichen Lachen fügt sie hinzu: »Bis heute habe ich es nicht bereut.«

Maßgeblich verantwortlich für diesen bemerkenswerten Schritt war das Christentum, mit dem sie in Sheffield in Kontakt gekommen war. Sie war nachhaltig beeindruckt, ohne ihre Ursprünge gänzlich abzulehnen, wie es bei Konvertiten bisweilen der Fall ist: »Der Buddhismus vermittelt wunderbare Lehren, und als Christin, die ich heute bin, würde ich sagen, ich bin eine bessere Buddhistin als manch andere. Nur ganz auf sich allein gestellt, ist es schwierig, all die Forderungen von Lord Buddha umzusetzen. Das Christentum kennt Gottes Gnade, wenn du Fehler machst, und kann Sünden verzeihen. Das hat mich sehr angesprochen.«

Wenn sie über ihre Religion redet, wird sie sehr nachdenklich. Sie fühlt sich

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen