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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2012
Wenn es den Himmel gäbe
Gott in der Literatur der Gegenwart
Der Inhalt:

Wo Abraham seine Ziegen weidete

von Claudia Mende vom 05.10.2012
Aleppo gehört zu den ältesten Städten der Welt – im syrischen Bürgerkrieg wird ihr einmaliges Weltkulturerbe zerstört. Dabei hatte die Stadt gerade erst damit begonnen, sich für ihr historisches Erbe zu interessieren

In Aleppo sind große Teile des historischen Basars bei Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Aufständischen verbrannt. Was die Unesco zuvor befürchtet hatte, dass unwiderrufliche Schäden am Weltkulturerbe dieser Stadt eintreten würden, ist Wirklichkeit geworden. Etliche Geschäfte in dem jahrhundertealten Basar wurden zerstört. Aber es sind nicht nur diese Zeugen der reichen Vergangenheit, die dem Bürgerkrieg zum Opfer fallen. Die historischen Bauwerke Aleppos sind auch Teil der multikulturellen Identität der Stadt. Mit der alten Bausubstanz steht auch sie auf dem Spiel.

Die syrische Handelsmetropole blickt zurück auf eine 5000-jährige Stadtgeschichte. Auf dem Hügel mit der mittelalterlichen Zitadelle im Zentrum der Stadt fanden sich Spuren menschlicher Besiedlung, die bis ins zweite Jahrtausend vor Christus zurückreichen. Der Legende nach weidete der biblische Urvater Abraham auf dem Hügel seine Ziegen und gab der Stadt dadurch ihren arabischen Namen Halab. Halab kann »gemolken« bedeuten, daher erzählte man sich, Abraham habe hier seine Ziegen gemolken und ihre Milch an die Armen verteilt. Diese Geschichte zeigt, mit welchem Selbstbewusstsein Aleppo selber seine Bedeutung für die Menschheit einstuft. Die Zitadelle wurde im 12. Jahrhundert errichtet, um die Kreuzfahrer abzuwehren. Die Stadt konnte dadurch erfolgreich gegen die Kreuzritter verteidigt werden.

Jahrhundertelang lag die Stadt im Zentrum der Handelsströme zwischen Europa und dem Fernen Osten. Im Fernhandel mit den italienischen Stadtstaaten im 16. Jahrhundert ist sie groß und reich geworden. Kaufleute brachten Gewürze und Seide aus Iran, Indien und China für den wachsenden Bedarf des Bürgertums nach Europa und machten halt in Aleppo. Prächtige Herbergen, die Karawansereien, Moscheen und historische Wohnhäuser zeugen bis heute von der einstmals bedeutenden Rolle der Stadt für den internationalen Fernhandel. Mit einer Fläche von etwa 350 Hektar und rund 16 000 historischen Häusern beherbergt seine Altstadt das größte traditionelle Wohnviertel in der arabischen Welt. Der Souq ist mit geschätzten zwölf Kilometern Gewölbegassen der größte im Nahen Osten und war mit Tausenden von Geschäften noch in den vergangenen Jahren das pulsierende Zentrum der Stadt.

Die Architektur ist ein Spiegel von Aleppos multikultureller Geschichte, geprägt von einem Völkergem

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