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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2012
Wenn es den Himmel gäbe
Gott in der Literatur der Gegenwart
Der Inhalt:

Mut zur Güte

von Mirjam Mahler vom 05.10.2012
Seit sechzig Jahren kämpft Hildegard Goss-Mayr auf friedlichem Wege gegen Unrecht – durchaus mit Erfolg

Sieht so eine Revolutionärin aus? Die Frau in der Tür wirkt lieb und zart, sodass man den Händedruck lieber nur ganz vorsichtig erwidert. 83 Jahre alt ist sie jetzt, aber aufrecht. Als Ehrenpräsidentin des Internationalen Versöhnungsbundes (IVB)leitet Hildegard Goss-Mayr immer noch regelmäßig Seminare und hält Vorträge über Gewaltfreiheit und Gütekraft, diese Kraft, mit der sie und ihr Mann Jean Goss Befreiungsbewegungen in Lateinamerika und in der Dritten Welt mitaufgebaut und so zum Ende der Diktaturen auf den Philippinen und in Madagaskar beigetragen haben. »Eines will ich Ihnen gleich sagen«, sagt sie sehr bestimmt, als sie sich setzt. »Gewaltfreiheit ist für mich keine reine Methode, sondern eine Lebenshaltung.«

Hildegard Goss-Mayr wird 1930 in Wien geboren. Die Erfahrung des Zweiten Weltkriegs stürzt die junge Katholikin in eine tiefe Krise. Sie endet mit einer Entscheidung: ihr Leben dafür einzusetzen, dass die Gewalt besiegt wird. In den 1950er-Jahren beginnt sie, im Internationalen Versöhnungsbund zu arbeiten. Mitten im Kalten Krieg setzt sie sich auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs für Verständigung und Versöhnung ein und gegen die Wiederaufrüstung. Sie ermöglicht Begegnungen während der Kommunistischen Weltjugendfestspiele in Wien, spricht 1961 auf dem Weltjugendforum in Moskau und kämpft mit ihrem Mann darum, dass sich die katholische Kirche gegen den Krieg als Mittel zur Lösung internationaler Probleme ausspricht – mit Erfolg.

Im Jahr 1962 schickt der IVB das Ehepaar nach Lateinamerika. Dort organisieren sie Seminare zur Gewaltfreiheit und arbeiten mit dem späteren Friedensnobelpreisträger Adolfo Perez Esquivel zusammen. Mit ihm zusammen gründen sie die gewaltfreie Volksbewegung SERPAJ, den Dienst für Frieden und Gerechtigkeit. Die Arbeit dieses Netzwerks ermutigt in ganz Lateinamerika Menschen zum Widerstand gegen Folter und Diktatur.

Eine Revolutionärin? Sie wiederholt die Frage, als müsse sie noch einmal darüber nachdenken. Dann sagt sie entschlossen: »Ich bin eine Revolutionärin aus der Kraft der Gewaltfreiheit. Es geht darum, ohne Gewaltanwendung etwas zu verändern und alle Dinge zu überwinden, die schädlich und gegen die Grundrechte des Menschen gerichtet sind. Das ist nur möglich mit der entgegenge

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