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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2012
Wenn es den Himmel gäbe
Gott in der Literatur der Gegenwart
Der Inhalt:

Das Licht tanzt

von Ingrid Kölle vom 05.10.2012
Schnitzen, Weben und Tätowierungen: Die lebendige Kultur der Maori zeigt sich heute in vielfältigen Formen. In der internationalen Kunstszene haben sich Maler, Bildhauer und Videokünstler einen Namen gemacht

Auf einer 150 Hektar großen Farm am Hauraki-Golf in Neuseeland macht die Gruppe »Reo« Musik mit traditionellen Musikinstrumenten der Maori – mit Holzflöten, Trompeten, Schneckenhörnern, mit menschlichen Stimmen und computermanipulierten Tönen aus der Natur. Rund 200 Gäste, Freunde und Bekannte, haben sich hier eingefunden, um einen Tag lang zu erleben, wie Charles Royal die Idee der historischen »Whare tapere«, der Orte des Vergnügens und der Unterhaltung, neu entstehen lässt. »Whare tapere sind Orte, wo man sich in der Zeit, bevor die Europäer kamen, Geschichten erzählt, getanzt und gespielt hat. Es waren Plätze, wie sie in Dörfern auf der ganzen Welt zu finden sind, Orte der Unterhaltung und des Vergnügens. Leider ist diese Tradition im 19. Jahrhundert untergegangen. Wir haben keine intakte Whare-tapere-Tradition, die sich über die Jahre erhalten hat. Wir sind stattdessen dabei, aus den bruchstückhaften Kenntnissen aus der Vergangenheit etwas Neues aufzubauen.«

Charles Royal ist Musiker, Komponist und Professor für indigene Entwicklung an der Universität von Auckland. Im Rahmen seiner Doktorarbeit stieß er auf das Konzept des Whare tapere. Auf der Farm seines Onkels, einem Stück Land, das schon immer zu seinem Stamm gehörte, spielen Kinder und Erwachsene Spiele, wie sie sie auch vor Hunderten von Jahren hier gespielt haben könnten. Im Halbkreis sitzen die Gäste auf einer terrassenförmig angelegten Wiese und blicken auf die Bühne aus Sand. Die Tradition des Maori-Marionettentheaters ist vor vielen Jahren ausgestorben. Hier wird sie von Historikern und Holzschnitzkünstlern wieder zum Leben gebracht, unterlegt von den hypnotischen und suggestiven Klängen der Musiker. Höhepunkt ist am Abend eine Tanzaufführung mit dem Titel »Das Licht tanzt«. Es stellt den mythologischen Ursprung des »Kapa haka« dar, des traditionellen Tanzes der Maori. »Es geht um die Entstehung der beiden Figuren Tanerore und Hineruhi, dem männlichen und dem weiblichen Tanz aus der ursprünglichen Finsternis. Es ist die Ankunft dieser beiden Qualitäten in der Welt. Der Tanz von Tanerore ist das Zittern der heißen Luft an einem sehr heißen Tag. Der Tanz von Hineruhi ist das gebrochene Licht im Morgentau, dieses Glitzern. Das sind die beiden Paradigmen des männlichen und weiblichen Tanzes.«

Charles Royal nennt als mögliche Einflüsse die japanische Tradition des Buto und Antonin Artauds »Theater der Grausamkeit«. Er hat das S

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