Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2014
Papst Franziskus und seine Gegner
Der Inhalt:

Dem Land droht die Spaltung

von Thomas Seiterich vom 08.08.2014
Was wird aus Judentum und jüdischer Religion in Zeiten religiös aufgeladener Kriege? Der Publizist und Theologe Günther Bernd Ginzel sieht die liberalen Juden im Aufschwung

Publik-Forum: Herr Ginzel, welches religiöse Denken dominiert im Krieg Israels mit der palästinensischen Hamas?

Günther Bernd Ginzel: In der jüdischen Verunsicherung, die sich seit Langem ausbreitet und aktuell verstärkt wird durch die wütende Todfeindschaft vonseiten sämtlicher islamistischer Gruppen weltweit, bilden sich drei Pole heraus: Der erste ist Trotz und zu allem entschlossene Selbstbehauptung. Der zweite besteht aus den Ängsten der jüdischen Nation sowie der vielen Einzelnen angesichts der Hass-Lage rund um Israel, die von der Hisbollah im Norden über Syrien, den Iran bis zur Hamas im Süden aus lauter Feinden besteht, von denen keiner einen Gedanken darauf verschwendet, die allgemeinen Menschenrechte einzuhalten. Der dritte Pol betrifft das Land und die jüdische Religion. Die Frage lautet: Wie erfüllen wir den Auftrag, die Erben der Bibel und der Vorväter zu sein?

Und welchen geistlich-theologischen Weg geht das Judentum in Israel?

Ginzel: Es herrscht insgesamt eine große Irritation. In diese Verunsicherung hinein, die weit über das Religiöse hinausgeht, stellt sich die Grundfrage: Wer sind wir eigentlich? Was wollen wir? Die heutigen Israelis sind ja nicht die Pioniere, die Generation des großen gemeinsamen Wagnisses, die einst den modernen Staat Israel mit Idealismus und Opferbereitschaft aufgebaut haben, sondern sie leben in einem Wohlstandsland. Was bedeutet es heute, Jude im jüdischen Staat zu sein? Was bedeutet es, Zionist zu sein, wo doch der Zionismus seine Ziele erreicht hat?

Es scheint, als gewinne die »Theologie des Landes« an Boden, also eine Art national-religiöse Ausprägung des Judentums.

Ginzel: Die religiösen Parteien in Israel sind seit dem Überfall des Jom-Kippur-Krieges (1973) sukzessive nach rechts gerutscht. Dasselbe gilt zum Teil auch für die nichtreligiösen Parteien. Warum? Die Israelis fühlen sich nach wie vor in ihrer Existenz bedroht, jenseits aller unterstellten militärischen Stärke. Dieses Empfinden von Bedrohung nahm in den letzten Jahren stark zu. Was bleibt, ist dieses kleine Stückchen Land namens Israel, in dem sich bald zehn Millionen Menschen drängeln werden. Was bleibt, ist das an die Wurzeln gehende gemeinsame Gefühl, dass das Leben hier allein für sich genommen bereits einen sehr große

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen