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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2013
Fernweh trifft Wirklichkeit
Wie fair kann Tourismus sein?
Der Inhalt:

»Ich konnte nur zusehen«

von Maria Haberer vom 28.06.2013
Das Hochwasser in Halle hat seine Arbeitsräume zerstört. Unternehmer Peter Mielke (55) weiß nicht, wie es weitergeht

An diesem ersten Wochenende im Juni stieg das Wasser unaufhaltsam. Ich konnte genau beobachten, wie es immer näher kam. Denn das Haus, in dem mein Büro und die Produktionsräume sind, liegt zwischen dem Mühlgraben und einem weiteren Saale-Arm. Am Montag, den 3. Juni, war es dann da. Das Wasser stieg über die Brücke und lief auf die Straße. Da habe ich Angst bekommen. Denn meine Produktionsräume liegen im Keller. Es wurden die ersten Dämme mit Sandsäcken gebaut. Auch die Feuerwehr war da und hat versucht, mit Pumpen das Wasser wieder zurückzuleiten. Ich habe den Keller ausgeräumt, Sandsäcke vor Türen und Fenster gestapelt. Sonst konnte ich nicht viel tun. Ich musste warten, was passiert. Das war das Schlimmste: warten zu müssen.

Vor zwölf Jahren habe ich das Haus bezogen und hier meine Arbeitsräume eingerichtet. Ich arbeite als Werbefachmann und Grafiker. Doch zum Leben reicht das nicht immer, ich habe nach einem zweiten Standbein gesucht. Darum habe ich den Keller vor Kurzem ausgebaut.

Wundern Sie sich nicht: Es ist eine etwas ungewöhnliche Marktnische, aber es sollte meine Zukunftschance werden. Ich habe hier Bratwürste hergestellt und sie verkauft. Ich habe Schulden, muss Unterhalt an meine Exfrau nachzahlen und habe laufende Kredite. Mir wurde schon gedroht, mein Haus zu pfänden. Als Alleinstehender mit zwei kleinen Kindern war das nicht leicht. Ich bin am finanziellen Limit und habe keine Reserven mehr. Deswegen war ich richtig glücklich, als das mit den Bratwürsten so gut angelaufen ist. Südthüringer Bratwürste, eine Spezialität. Ich komme ursprünglich aus Sonneberg in Südthüringen und habe in Halle diese Spezialität vermisst. Als das Geschäft so gut lief, dachte ich, ich wäre endlich raus aus dem finanziellen Schlamassel. Aber diese Hoffnung wurde jetzt auf einen Schlag zunichte gemacht.

Als das Wasser dann schließlich den Keller überflutete, konnte ich nur ohnmächtig zusehen. Es kam nicht von oben, sondern aus der Kanalisation. Die Sandsäcke haben nichts genützt. Der Grundwasserpegel ist immer weiter gestiegen. Man konnte richtig sehen, wie ein fingerdicker Strahl aus dem Mauerwerk schoss. Das war am Mittwoch, und ich hatte seit Montag nicht mehr geschlafen. Alle paar Minuten bin ich in den Keller gegangen und habe geschaut, wo das Wasser steht. Gegen halb drei in der Nacht war es dann bei 1,30 Meter. Da habe ich mich mal für zwei Stunden hingelegt. Ich konn

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