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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2013
Fernweh trifft Wirklichkeit
Wie fair kann Tourismus sein?
Der Inhalt:

Smart und fair

von Andrea Teupke vom 28.06.2013
Das erste sozial- und umweltverträgliche Handy kommt

Kritik konnten die Handyproduzenten bisher gut aussitzen. Unmenschliche Arbeitsbedingungen in chinesischen Zulieferfirmen? Bedauerlich, aber nicht zu ändern. Einnahmen aus dem Rohstoff-Abbau im Kongo fließen an Söldner? Lässt sich leider nicht verhindern. Handys können nicht repariert werden und verwandeln sich deshalb schnell in giftigen Elektroschrott? Unvermeidlich, schließlich wollen die Kunden das so.

Mit all diesen Ausreden ist jetzt Schluss. Eine holländische Firma mit nicht mal zehn Mitarbeitern will ein Smartphone bauen, das so sozial verträglich und umweltfreundlich wie möglich ist. Fairphone wurde zunächst als öffentliche Kampagne gestartet, um auf Missstände in der Elektronik-Branche aufmerksam zu machen. Die Reaktionen darauf waren so positiv, dass Gründer Bas van Abel beschloss, tatsächlich in die Produktion einzusteigen, falls sich genügend Abnehmer fänden. Da die veranschlagte Mindestzahl von 5000 Bestellungen rasch überschritten war, sollen nun 20 000 Exemplare gebaut werden.

Das Android-Handy soll technisch auf dem neuesten Stand sein und wird zum Selbstkostenpreis von 325 Euro verkauft. Dafür verspricht das Unternehmen, die chinesische Zulieferfirma werde existenzsichernde Löhne zahlen, das verwendete Tantal stamme aus einer zertifizierten Mine in der Demokratischen Republik Kongo, deren Einnahmen nicht in den Bürgerkrieg fließen, und beim Design des Telefons werde besonders auf Haltbarkeit geachtet.

»Wenn du etwas nicht aufmachen kannst, gehört es dir gar nicht richtig«, sagt Bas van Abel: Das Fairphone dagegen lässt sich aufschrauben, etwa um einen schwach gewordenen Akku auszuwechseln. Ersatzteile will die Firma vorhalten. Das Plastikgehäuse besteht aus recyceltem Kunststoff. Außerdem bietet das Fairphone eine Dual-SIM-Funktion, sodass Menschen, die mehrere Telefonnummern benutzen, nur ein Gerät brauchen.

In Handys kommen dreißig verschiedene Rohstoffe zum Einsatz – vier davon, Tantal, Zinn, Kobalt und Gold, haben die Aktivisten von Fairphone bisher unter die Lupe genommen. Von Experten wird die Initiative positiv aufgenommen: »Sie zeigen, dass es möglich ist, die Lieferkette unter Kontrolle zu bekommen«, sagt Friedel Hütz-Adams von Südwind. »Dazu sind sie in den Kongo gereist und haben besser funktionierende Minen gesucht. Man wollte bewusst nicht den

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