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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2013
Fernweh trifft Wirklichkeit
Wie fair kann Tourismus sein?
Der Inhalt:

Aufspielen statt abschieben

von Anke Schwarzer vom 28.06.2013
Musiker protestieren für die Rechte von Flüchtlingen

Die 23-jährige Judith singt heute zum ersten Mal mit. »Man steht nicht nur rum und hält Plakate hoch. Unsere Musik soll die Herzen der Menschen berühren und sie zum Nachdenken bringen«, sagt die blonde Studentin aus Leipzig. Sie ist Mitglied der Aktionsgruppe Lebenslaute. Das sind 75 Musiker aus ganz Deutschland, die sich politisch engagieren. Seit 25 Jahren verbinden sie die Musik mit politischen Inhalten. Sie haben schon gegen Waffenhandel, Atompolitik und Aufrüstung gespielt. Laien wie Berufsmusiker kommen für die Aktionen an den unterschiedlichsten Orten zusammen.

Heute, am 17. Juni, musizieren sie für die Rechte von Flüchtlingen. Dafür haben sie die Einfahrten des Bundesinnenministeriums in Berlin blockiert. Anschließend protestieren sie dort mit einem Konzert. Unter dem Motto »Aufspielen statt Abschieben« wollen sie ihre Solidarität mit den Forderungen des Internationalen Tribunals gegen die Bundesrepublik Deutschland ausdrücken. Sie spielen Lieder von Bach, Schostakowitsch und Eisler, aber auch afrikanische Gesänge über Liebe und Hoffnung.

Das Tribunal hat vom 13. bis 16. Juni gegen Residenzpflicht und Abschiebung protestiert. Flüchtlinge aus Syrien, Pakistan und Nordafrika kamen aus allen Bundesländern zusammen, um in Berlin ihre Klagen öffentlich vorzutragen. »Der Regierung wird zur Last gelegt, mitverantwortlich zu sein für das Morden an den europäischen Außengrenzen und für das Leid, das Flüchtlinge hier in Deutschland tagtäglich erleben«, heißt es in einem Aufruf. Veranstaltet wurde das Tribunal von dem Netzwerk Karawane für die Rechte von Flüchtlingen und MigrantInnen und von The Voice Refugee Forum.

Asif aus Pakistan hat an dem Wochenende auch mitgemacht. »Ich bin seit zwei Monaten hier. Das Lager ist schmutzig, und da sind viel zu viele Menschen. Ein Freund war krank, aber er hat keine Medizin bekommen«, sagt er. Das dürfe so nicht weitergehen. Die Regierung müsse etwas ändern. Jetzt beißt der 27-Jährige mit dem vernarbten Gesicht in eine der Erdbeeren, die Demonstranten vor dem Ministerium verteilen, und blinzelt gegen die Sonne. Er summt einen Walzer mit, den die Musiker von Lebenslaute spielen. Den musikalischen Protest findet er gut, er freut sich über die Unterstützung.

Die Theologin Sabine Albrecht hä

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