Lina Abou Naoum
Lina Abou Naoum, Ordensfrau der Don-Bosco-Schwestern im Libanon, berichtet nach schweren israelischen Luftangriffen von dramatischen Zuständen in der Hauptstadt Beirut. Zeitweise habe es gewirkt, als ob »ganz Beirut gebrannt« habe, sagte sie der Nachrichtenagentur Kathpress. Nach Angaben der israelischen Armee wurden innerhalb weniger Minuten mehr als 100 Ziele in Beirut und im Süden des Landes angegriffen. Die Operation richtete sich demnach gegen Infrastruktur der Hisbollah, traf jedoch auch dicht besiedelte Gebiete. Anders als sonst bei der israelischen Armee üblich, gab es im Vorfeld keine Aufrufe an die Zivilbevölkerung, Schutz zu suchen, was vielerorts zu Panik führte. Es gab zahlreiche Tote und Verletzte. Der Donnerstag wurde zum nationalen Trauertag erklärt.
Die Angst in der Bevölkerung sei groß, berichtet Abou Naoum. Viele Menschen wagten nicht, ihre Häuser zu verlassen um zur Arbeit zu gehen, auch in den nicht angegriffenen Gebieten. Dauere die Situation an, sei das Überleben vieler in Gefahr, »denn ohne Arbeit wissen die Leute nicht mehr, wie sie ihre Kinder ernähren können«, sagt sie. Schließlich stecke das Land ohnehin schon seit fünf Jahren in einer der schwersten Wirtschafts- und Finanzkrisen seiner Geschichte.
Auch die von Abou Noum geleitete Don-Bosco-Schule in Kahalé nahe Beirut wurde aus Sicherheitsgründen geschlossen und nimmt Flüchtlingsfamilien auf.
Besonders dringend sei die Versorgung mit Treibstoff. »Wir benötigen Diesel, um die Generatoren betreiben zu können. Ohne Strom haben wir kein Licht, können nicht kochen und die Menschen nicht versorgen«, sagt die Ordensfrau. Viele Familien stünden vor existenziellen Problemen: »Ich weiß selbst nicht mehr, wie sie nun weitermachen und weiterleben sollen.«

Abou Naoum drängt auf Vermittlung im Konflikt. »Wir haben keinen Präsidenten, sind ein kleines Land und haben keine Macht, um in Dialog mit Israel zu treten«, sagt sie. »Wenn die internationale Gemeinschaft keine diplomatische Lösung findet, werden die Kämpfe ewig andauern.«
Die Angriffe auf den Libanon erfolgten trotz einer zwischen den USA und dem Iran kurz zuvor vereinbarten Waffenruhe, die jedoch nach israelischer Darstellung nicht für den Libanon gilt. International wächst der Druck auf alle Konfliktparteien, die vereinbarte Waffenruhe auszuweiten, da andernfalls eine weitere Eskalation in der Region droht.
Auch das internationale katholische Hilfswerk Kirche in Not warnte vor einer dramatischen Zuspitzung der Lage, insbesondere für die Zivilbevölkerung im Süden des Landes, unter ihnen viele Christen. Viele dieser Gemeinden lebten in grenznahen Dörfern ohne ausreichende Schutzmöglichkeiten. Jeder neue Angriff verschärfe die Unsicherheit und zwinge weitere Familien zur Flucht.




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