»Ja, der Halik, der ist gut«
Tomas Halik, ein »Star« der Prager Kulturszene, beliebter Kommentator im Radio und Fernsehen, Moderator im interreligiösen Gespräch. Nun könnte er bald auch Staatspräsident werden. So verkünden es jedenfalls die Meinungsforscher, die in kurzen Abständen immer wieder erkunden: Wer gehört denn zu den angesehensten Bürgern; wen könnte man sich denn als Nachfolger von Staatspräsident Vaclav Havel vorstellen? Und immer erreicht Tomas Halik (51) höchste Quoten. Ein außergewöhnlicher Mann, dieser beliebte Tscheche, ein intellektuelles Multitalent: Er ist Professor für Soziologie an der Prager Karls-Universität, als Psychologe hat er einen guten Ruf, er ist Direktor der Christlichen Akademie... und katholischer Priester. Wird also in zwei Jahren, hoch oben auf dem Hradschin, der Prager Burg, ein katholischer Priester das höchste Staatsamt ausüben? Tomas Halik hat jetzt selbst für Klarheit gesorgt: »Man muss für alles bereit sein. Ich weiß, dass manchmal in der Politik Wunder sich verwirklichen. Es gibt eine Tradition bei uns, seit den Tagen der Gründung der Tschechischen Republik, die besagt: Der Präsident ist nicht eine Figur der Parteipolitik oder der Machtpolitik, sondern er ist vielmehr eine intellektuelle Autorität. Die ersten beiden Präsidenten Masaryk und Benes waren Soziologieprofessoren wie ich.« Sollte denn das tschechische Volk - spätestens im Jahr 2002 - Tomas Halik zum Präsidenten wählen: Der vielseitige Priester möchte während seiner politischen Amtszeit seine religiöse Funktion, sein Priestertum, »ruhen lassen«. Die Bischöfe und vor allem der Vatikan hätten nichts dagegen einzuwenden, das wurde schon jetzt mitgeteilt. Schließlich ist Halik kein linkslastiger Befreiungstheologe, wie Pater Aristide, der als Staatspräsident von Haiti für Rom ein unerwünschter Priester-Präsident war.
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