Leserbrief
Keine Königin
Dieser Beitrag hat mir als Mediävisten die Haare zu Berge stehen lassen angesichts der Anachronismen und sachlichen Fehler, mit denen er gespickt ist. Der dritte König sei hier eine Frau, behauptet ohne jeden Nachweis die Autorin. Das ist vollkommen an den – im Gesicht des jüngsten Königs nicht vorhandenen – Haaren herbeigezogen, ja geradezu eine Verschwörungstheorie, mit der die heutigen Sichtweisen einer sehr vergröberten feministischen Theologie in eine Zeit rückprojiziert werden, in die sie nicht gehören. Diese Figur hat keinen Bart, weil die Heiligen Drei Könige spätestens seit dem 13. Jahrhundert die drei Lebensalter symbolisieren sollten, also hier einen jungen, noch bartlosen Mann. Mit einer Frauendarstellung hat das nichts zu tun. Das Wandbild stammt aus einer Zeit, in der die Wandlung der »Magier« zu »Drei Heiligen Königen« in der Kunst nicht nur längst abgeschlossen, sondern in einer Weise kanonisiert war, dass diese Bilder stereotype, feststehende Motive aufweisen, durchaus in dieser Hinsicht vergleichbar mit den Ikonen der Ostkirchen. Die Krone des linken Königs ist nicht praktisch zur Reise verpackt, wie die Autorin insinuiert, sondern er hat sie als Zeichen der Ehrerbietung gegenüber dem noch größeren König Jesus Christus abgenommen, ebenfalls absolut typisch in dieser künstlerischen Epoche. Ist es zu viel verlangt, vor einer künstlerischen Äußerung einer für uns recht fremden Kultur, der des europäischen Mittelalters nämlich, einen gewissen Respekt zu haben? Ist das »lockere« Umgehen damit nicht eine Art der kulturellen Aneignung, die wir zu Recht seit geraumer Zeit im Umgang mit künstlerischen Erzeugnissen anderer fremder Kulturen kritisieren und zurückweisen? Jürgen Römer, Lichtenfels

»Die Krone des Königs ganz links ist reisetauglich verpackt.« Beim Versorgen der Krippenfiguren für das Jahr 2026 ist mir aufgefallen, dass meine zwei Könige eine Krone auf ihren Häuptern tragen, jedoch der dritte König fehlt. Die Krippenfiguren sind aus Olivenholz geschnitzt und stammen aus einer Manufakturwerkstätte in Palästina, erworben in einem Dritte-Welt-Laden. Beim Lesen des Artikels von Eva-Maria Lerch kam mir die Heiterkeit des dritten Königs, abgebildet im Fresko des Wetzlarer Doms, tröstend entgegen. In meiner Krippenfigurensammlung befindet sich eine Figur mit einem Hümmelchen-Dudelsack unter dem Arm, was eher zu der Mannschaft der Hirten gehört, der aber eine Wechselspiel-Flöte im Mund trägt. Nach diesem heiteren Text bin ich für den Verlust des dritten Königs ohne Krone bestens entschädigt und freue mich, am 6. Januar 2027 dem Dreikönigstag, den Kindern die Geschichte des musizierenden Königs zu erzählen. Mario Crola, CH-Büttenhardt




