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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 2/2018
Publik-Forum Ausgabe 2/2018: 1968. Ein irres Jahr
Der Inhalt:

Chefsessel statt Knastzelle

Häftlinge lernen, wie sie nach der Haft erfolgreiche Unternehmer werden können

Richtig gut steht es um die Resozialisierung von Straftätern in Deutschland nicht. 45 Prozent, also knapp die Hälfte, werden binnen drei Jahren rückfällig. Bei Raub sind es sogar mehr als siebzig Prozent. Eine deutlich bessere Quote haben die Absolventen des Leonhard-Programms. Nur 13 Prozent fuhren erneut ein. Bernward Jopen, langjähriger Unternehmer, hat das Programm initiiert. Seine Devise: Häftlinge brauchen nach der Entlassung eine Perspektive. Straffällig gewordene Männer werden mit den Grundlagen des freien Unternehmertums vertraut gemacht. »Als Gründer eines kleinen Dienstleistungsunternehmens sind sie unabhängig von Arbeitgebern, die sich möglicherweise mit einem vorbelasteten Lebenslauf schwertun«, erläutert Jopen. In 540 Stunden Präsenz-Unterricht lernen die Gefängnisinsassen, was für eine spätere Selbstständigkeit nötig ist: Erstellen eines Businessplans, Präsentation, Marketing, Finanzen, Vertrieb. »Mittlerweile sind aber auch Persönlichkeitsentwicklung und gewaltlose Kommunikation wichtige Bausteine«, erläutert Gründer Jopen. Für das Coaching kommen die Dozenten des Leonhard-Programms ins Gefängnis München-Stadelheim, etliche Unternehmer beteiligen sich ehrenamtlich. Die Dozenten prüfen später auch die Abschlussarbeiten. 188 Männer zwischen 22 und 62 Jahren nahmen bisher daran teil; 162 haben sie erfolgreich absolviert.

Die Fortbildung kostet 9500 Euro. Rund drei Viertel trägt die Arbeitsagentur, der Rest stammt aus Spenden. Gut investiertes Geld, findet Bernward Jopen. »Sechzig Prozent der 134 schon entlassenen Absolventen fanden nach durchschnittlich 27 Tagen eine Beschäftigung, sie haben ein Studium begonnen oder eine eigene Firma gegründet.« Zum Beispiel Webagenturen, Handw