Leserbrief
Öl im Getriebe
Erschreckend ist vor allem, mit welcher Naivität die Evangelische Kirche in Deutschland einen Krieg zeichnet. Übersehen wird dabei Folgendes: Wer sich entscheidet, Gewalt anzuwenden, übergibt der Gewalt die Herrschaft. Sie führt das Regiment im Krieg und nutzt dazu alle und alles. Gewalt ist und bleibt die alleinige Siegerin eines Krieges, die Menschen sind nur Material und Opfer der Gewalt. Deshalb kann die einzige mögliche Antwort auf die Frage: »Wie können Soldaten und Soldatinnen befähigt werden, eine militärische Auseinandersetzung erfolgreich zu bestehen?«, nur eindeutig aus der Sicht des Evangeliums gegeben werden: indem sie die Waffen niederlegen und jeden Befehl zum Töten verweigern. Eine Kirche, die anders antwortet, macht sich überflüssig und wird zum Öl im Getriebe der Macht. Dirk Harms, Schwerte
Das Wort kriegstüchtig lässt offen, ob es sich um Verteidigung oder eventuell präventiven Angriff handelt. Der Unterschied ist fundamental. Verteidigung hat zum Ziel, größeren Schaden abzuwenden, als der, der durch Nicht-Verteidigung entsteht – insbesondere langfristig. Als ich vor circa 50 Jahren die Entscheidung treffen musste: »Wehrdienst oder Ersatzdienst?«, war es für mich primär, bei einem Angriff auf Deutschland den Schaden im Land zu minimieren – soweit dies mit militärischen Mitteln machbar ist. Will ich einfach wehrlos zuschauen, wenn aggressive Gewalt Leben meiner Mitmenschen beschädigt oder auslöscht? Dass Verteidigung mit Waffen natürlich auch nicht problemlos ist, sondern ebenso unter Umständen Leid und Tod vermehrt, war mir dabei auch klar. Ohne Gegenwehr kann die Gewalt aber auch eskalieren und vor allem als System eine unbegrenzte Fortdauer haben. Unbeschadet kommen wir im Fall eines Angriffs einer benachbarten Nation nicht davon – ohne Gegenwehr oder mit Gegenwehr. Tilmann Wolf, Scheidegg




