Jutta Allmendinger

Jutta Allmendinger, Soziologin und Mitglied im Deutschen Ethikrat, fordert mehr staatliche Förderung für Kinder und weniger für die Ehe. In Hinblick auf die niedrigste Geburtenrate in Deutschland seit 1946 – im vergangenen Jahr kamen hier nur 654.300 Kinder zur Welt, während 1,01 Millionen Menschen starben – sagte Allmendinger, Frauen wären nur dann zu mehr Kindern bereit, wenn dies nicht länger mit enormen Einkommensverlusten verbunden wäre: »Mit einem Kind reduziere ich mein Einkommen im Vergleich zu kinderlosen Frauen um fast 40 Prozent, mit zwei Kindern um die Hälfte, mit drei Kindern um 64 Prozent.« Solche wirtschaftlichen Nachteile seien der wichtigste Grund, keine Kinder zu bekommen.
Es brauche aber auch andere Anreize, sagte Allmendinger: Nur eine gleichmäßigere Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit zwischen Frauen und Männern könnte die Geburtenrate erhöhen. Migration hingegen helfe gegen das Schrumpfen der Bevölkerung nicht mehr: »Der Mythos, dass Migranten oder Personen mit Migrationsgeschichte da so viel ändern, ist falsch. Sie haben mittlerweile eigentlich kaum mehr einen Unterschied.«
Allmendinger nannte als weitere Gründe für den Rückgang der Geburtenzahlen, dass Frauen in Deutschland im Schnitt erst mit über 30 Jahren das erste Kind bekämen: »Die Spanne, in der Frauen noch Kinder bekommen können, ist also relativ kurz.«




Personen und Konflikte