Frauke Brosius-Gersdorf
Frauke Brosius-Gersdorf, Juristin und ehemalige Kandidatin für das Bundesverfassungsgericht, plädiert dafür, Leihmutterschaft auch in Deutschland zu erlauben. Das bestehende Verbot, an dem insbesondere die Union festhalten will, sei mit dem selbstbestimmten Menschenbild, wie es im Grundgesetz formuliert sei, nicht vereinbar, sagt Brosius-Gersdorf: »Die Union spricht mit dem Verbot der Leihmutterschaft und übrigens auch der Eizellspende in Deutschland Frauen ihr Recht auf Selbstbestimmung ab. Sie will einen paternalistischen Staat, der am besten weiß, was für Frauen und auch für potentielle Leihmütter gut ist«, so die Juristin in der »Zeit«.
Wenn sich Frauen freiwillig für eine Leihmutterschaft entschieden, dürfe der Gesetzgeber ihnen das nicht verbieten. Der Staat müsse aber sicherstellen, dass Frauen über die medizinischen und psychosozialen Risiken einer Leihmutterschaft aufgeklärt würden. Neben einer sogenannten altruistischen Leihmutterschaft, bei der die Frauen kein oder nur wenig Geld erhalten, müsse auch die Möglichkeit einer kommerziellen Dienstleistung von Frauen für Paare mit Kinderwunsch rechtlich geprüft werden.
Nach dem Rücktritt des Fraktionsvorsitzenden der Union, Jens Spahn, wird wieder öffentlich diskutiert, ob es Paaren erlaubt werden sollte, mit Hilfe einer Leihmutter Eltern zu werden. In Deutschland ist dies verboten – nicht zuletzt weil sich die Union dagegenstellt. Auch Spahn hatte sich stets gegen eine Legalisierung ausgesprochen. Dennoch hat er zusammen mit seinem Mann ein Kind von einer Leihmutter in Kalifornien zur Welt bringen lassen. Als dies öffentlich wurde, geriet Spahn massiv unter Druck, da er sich entgegen seiner geäußerten Überzeugung und gegen die deutsche Rechtslage für diesen Schritt entschieden hatte. Er provozierte damit den Eindruck, als setze er sich öffentlich für strenge Regeln in der Reproduktionsmedizin ein, nehme für sich privat jedoch in Anspruch, diese nicht zu befolgen.
In dem Interview bewertet Brosius-Gersdorf die Rechtslage unabhängig vom konkreten Verhalten Spahns. Zu Spahn ergänzte sie, es sei »schade, dass Herr Spahn nicht die Kraft und den Mut aufgebracht hat, seine Haltung zur Leihmutterschaft nun öffentlich zu korrigieren«. Er hätte damit vielen anderen Menschen die Möglichkeit eröffnen können, die er selbst im Ausland hatte.

Personen und Konflikte