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Literatur
Vom Überleben im Sudan

Der Autorin und Menschenrechtsaktivistin Stella Gaitano ist mit »Eddos goldenes Lächeln« ein intensiver Roman über Mutterschaft, Religion, Politik und den Alltag im Sudan gelungen.
von Christina Bartholomé vom 06.10.2026 Vorgelesen von einer künstlichen Stimme.
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Roman. Als Eddo stirbt, trägt sie ein goldenes Lächeln auf den Lippen. Dabei war sie eine wütende Frau, nachdem der Tod ihr ein Kind nach dem anderen entrissen hatte. Nur eine Tochter hat das Säuglingsalter überlebt, die sie Irinu nannte: die Vielscheißerin. Der scheußliche Name sollte den Tod abschrecken. Irinu, die später von christlichen Missionaren Lucy genannt wird, ist gesegnet mit Kindern – doch aufhalten lässt der Tod sich nicht. Als der Krieg ihr Dorf im Süden des Sudans erreicht, flieht sie mit ihrem Mann Marco nach Khartum. In der Hauptstadt erscheint ihr alles fremd: die arabischen Stimmen, das fließende Wasser aus der Dusche, die geglätteten Haare der Frauen. Und dann nähern sich die Kämpfe, und die Straßen »füllen sich mit Fragen, Blut und Leichen«.

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 19/2026 vom 09.10.2026, Seite 54
Wir haben alle verloren
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Schon im Jahr 2018 ist Stella Gaitanos Debütroman auf Arabisch erschienen. 2022 floh Gaitano, Autorin und Menschenrechtsaktivistin im Sudan, nach Deutschland. Nun wurde ihr Roman ins Deutsche übersetzt und bietet ein eindrückliches Bild des Sudans der 1960er- bis 1980er-Jahre. Die Hauptfigur Lucy wandelt zwischen Dorf und Stadt, zwischen Religionen und Traditionen. In Khartum wechselt die Perspektive. Nun erzählt Peter, Marcos Freund und Militäroffizier, und später seine Schwester Dschalaa, Anwältin und überzeugte Feministin. Gaitanos Ton ist mal rau und schonungslos, mal gewitzt und voller Leichtigkeit. Ihre poetischen Bilder sowie die Sprünge der Erzählstimmen und der Zeiten fordern zuweilen heraus. Doch das macht den Roman auch zu einem besonderen literarischen Erlebnis. Lässt sich doch nur erahnen, wie überbordend die Großstadt Khartum für das Dorfmädchen Lucy sein muss, wie der Krieg die Figuren einholt. Gaitano ist ein vielschichtiger Roman über Mutterschaft, Politik und alltägliches Überleben im Sudan gelungen.

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