Zur mobilen Webseite zurückkehren

Der vibrierende Draht zum Leben

Was brauchen Menschen, damit ihr Leben gelingt? In unseren Zeiten wird diese Frage meist mit materiellen Ressourcen beantwortet: »Mein Haus, mein Auto, mein Boot«. Der Jenaer Soziologe Hartmut Rosa aber stellt dem ständigen Zwang zu Wachstum und Besitz ein »Konzept der Libido« entgegen: »Leben gelingt da, wo wir es lieben.« Die Titelgeschichte in der Ausgabe von Publik-Forum 14/2013
von Eva-Maria Lerch vom 24.07.2013
Artikel vorlesen lassen
Sich selbst spüren, von anderen wahr- und ernstgenommen werden: Danach  sehnt sich jeder Mensch. Ohne den vibrierenden Draht zum Leben ist nur ein Überleben möglich - und das auch nicht für lange. (Foto: Flügelfrei/Photocase)
Sich selbst spüren, von anderen wahr- und ernstgenommen werden: Danach sehnt sich jeder Mensch. Ohne den vibrierenden Draht zum Leben ist nur ein Überleben möglich - und das auch nicht für lange. (Foto: Flügelfrei/Photocase)

Die Zuhörer sind schon drei Tage auf der Suche nach dem, was sie wirklich brauchen, als Hartmut Rosa seine Thesen vorträgt. Er spricht zum Motto des evangelischen Kirchentags in Hamburg: »Soviel du brauchst«. Die Besucher haben Vorträge zur Ressourcenverteilung und Workshops zum fairen Verbraucherverhalten besucht, wirken bereits etwas müde und abgekämpft. Doch die Rede des Soziologen rüttelt sie alle noch einmal wach. Denn Rosa erinnert an Dinge, die sie fast vergessen hatten, an Erfahrungen, die in der Diskussion über menschliche Grundbedürfnisse kaum eine Rolle spielen. Rosa spricht von der »Sehnsucht nach Resonanz«, dem Verlangen nach dem »vibrierenden Draht zum Leben«, dem intensiven Bedürfnis jedes Menschen, Spuren in der Welt zu hinterlassen.

Die Angst vor dem Verstummen der Welt

Unsere ständig auf Wachstum gerichtete Gesellschaft, sagt Rosa, produziert aber genau das Gegenteil von Beziehung und Resonanz. Sie ist »geprägt von der immerwährenden Furcht vor dem Verstummen der Welt, vor dem Verlust einer tragenden, antwortenden Weltbeziehung«. Ihre Mitglieder leben in ständiger Angst, den Anschluss zu verpassen, abgehängt zu werden, sozial abzustürzen.

Wie aber kann das Grundbedürfnis nach Resonanz gestillt werden? Wo finden Menschen diesen »vibrierenden Draht« zum Leben? Und was muss die Politik verändern, damit Menschen den Kontakt nicht verlieren, die Welt nicht als stumm und feindlich erfahren?

Rosa nennt die »Resonanzachsen«, die das Leben in der Moderne wieder sinnlich und sinnvoll machen. Er mahnt eine »politisch wirkmächtige Verständigung« darüber an, was die dauerhafte Entfremdung in der kapitalistischen Moderne verhindert.

Nach der Rede des Professors erhebt sich auf dem Kirchentag frenetischer Applaus, zahlreiche Besucher fragen nach dem Manuskript. Auch die Leser von Publik-Forum erkundigen sich in der Redaktion nach der Analyse des Soziologen. Die Rede von Hartmut Rosa erscheint deshalb nun in der aktuellen Ausgabe von Publik-Form.

4 Wochen freier Zugang zu allen PF+ Artikeln inklusive E-Paper
Personalaudioinformationstext:   Hartmut Rosa, geboren 1965, ist Professor für Allgemeine und Theoretische Soziologie an der Universität Jena. Rosa ist Autor des Titel-Essays in Publik-Forum 14/2013. Diese Ausgabe erscheint am Freitag, 26. Juli 2013. Sie können das Einzelheft kaufen – oder gleich ein Publik-Forum-Probeabo bestellen!
Publik-Forum
Publik-Forum
Einen Moment bitte...
0:000:00
1.0