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Eine Kultur des Mitgefühls

Hirnforscher entdecken die Kraft des spirituellen Trainings und träumen von einer neuen Art solidarischer Volkswirtschaften
von Birgit Schönberger vom 27.08.2015
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Es war ein tiefer Seufzer, der die Hirnforscherin Tania Singer, Direktorin des Max Planck-Instituts für Neuro- und Kognitionswissenschaften, auf die entscheidende Idee brachte. Sie saß im Hirnscanner-Raum des Leipziger Forschungsinstituts. In der Röhre lag Matthieu Ricard, buddhistischer Mönch, Molekularbiologe und enger Vertrauter des Dalai Lama; und stöhnte: »Darf ich jetzt endlich meine Mitgefühlsmeditation machen? Wenn ich noch länger mitleide, werde ich völlig kraftlos.« Ricard hatte sich bereit erklärt, sein Gehirn durchleuchten zu lassen, während die Leipziger Forscher ihm im Scanner Videos von rumänischen Waisenkindern zeigten mit abgemagerten Körpern und zerlumpten Kleidern. Auf Wunsch der Versuchsleiter änderte er dabei immer wieder seine innere Haltung. Für ihn als Medita tionsprofi mit Zehntausenden Stunden Erfahrung eine leichte Übung. Die Forscher beobachteten derweil, welche Netzwerke in seinem Gehirn zu welchem Zeitpunkt besonders aktiv waren. Zu Singers Überraschung erregte nur die Mitgefühlsmeditation Hirnregionen, die mit angenehmen Gefühlen verbunden sind.

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